Stadtgestaltung Kübel für den kargen Kornhausplatz

Der Landesposaunentag ist vorbei: Gestern wurden die „Bauminseln“ auf dem Kornhausplatz vom Rand Richtung Mitte verrückt, wo sie bis 20. Juli bleiben. Dann endet die vh-Fotoausstellung #Wald.
Der Landesposaunentag ist vorbei: Gestern wurden die „Bauminseln“ auf dem Kornhausplatz vom Rand Richtung Mitte verrückt, wo sie bis 20. Juli bleiben. Dann endet die vh-Fotoausstellung #Wald. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Carolin Stüwe 02.07.2018
Die Volkshochschule hat analog zur Ausstellung namens #Wald vor dem EinsteinHaus sieben Baum­inseln aufstellen lassen.

Schülerinnen der Friedrich-List-Schule sitzen in der Pause auf der Betonbank, reden, essen. Obwohl die Sonne scheint, ist das Wasserspiel vor ihnen ausgeschaltet. „So sieht das hier voll alt aus“, sagt eine von ihnen und meint damit die gelbgraue Fläche rund um die in den Boden eingelassenen Springbrunnen-Düsen. Der gesamte Platz mit dem gelblichen Belag soll ein Kornfeld darstellen. Schülerin Josefine Geiger (16) findet ihn jedoch grau und öde. Und Tamara Gläser (18) ergänzt: Weil der Platz sehr großflächig ist, erscheine er erst recht „so leer“.

Gegenüber sitzen ein paar Menschen unter der Linde im Café der Volkshochschule. Es ist der einzige Baum auf dem ganzen Platz. Aber nicht mehr das einzige Grün. Denn analog zur vh-Fotoausstellung #Wald, zu sehen an der Fassade des EinsteinHauses, wurden sieben Pflanzkübel mit jungen Bäumen aufgestellt.

„Mit diesen Bauminseln kommt unser Semesterthema, der Wald, in die Stadt“, sagt Gesa Krauß, die gemeinsam mit ihrer vh-Kollegin Nicole Pflüger die Idee hatte, das „Kornfeld“ zu beleben. „Viele dachten auch dann noch an ein Provisorium, als der Platz endlich fertig war“, erinnert sich Gesa Krauß an die lange Bauzeit (siehe Infokasten).

Gesa Krauß selbst findet den neuen Platz kahl, unwirtlich, menschenunfreundlich, weil es dort kaum Schatten gibt. Bei Sonnenschein blende die gelbliche Fläche. Er sei schlichtweg nicht zeitgemäß, weil die Menschen heute nach Grün lechzen. Deshalb bleiben nun die Pflanzkübel bis zum Ende der Ausstellung stehen  – bis 20. Juli. Denn dann müssen die vom Botanischen Garten gespendeten Laubbäume mit ihren großen Wurzelballen irgendwo außerhalb an einen geeigneten Platz verpflanzt werden.

Damit soll aber die Kübellösung nicht beendet sein, hoffen die Mitinitiatoren der vh. Das sind die Ulmer Initiative Stadtgärtnern, die Macher des Quartiersgartens im Dichterviertel, der  Initiativkreis für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, der BUND, das Bürgerhaus Mitte sowie der Interkulturelle Garten. Sie möchten sich für dauerhafte Pflanzkübel stark machen, für die dann zwecks Pflege Paten gesucht würden.

Diese acht Gruppen hatten sich am 8. Juni, dem ersten Ulmer Klimaschutztag, auf dem Hans-und-Sophie-Scholl-Platz vorgestellt. Und OB Gunter Czisch hatte den ersten Kübel bepflanzt mit der Aussicht, noch weitere 124.780 Bäume zu pflanzen, so viele wie Ulm derzeit Einwohner hat.

Zurück zum Kornhausplatz: Dort lasse sich kein einziger Baum pflanzen, weil die darunterliegende Tiefgarage keine „Überdeckung“ hat, sagt Baubürgermeister Tim von Winning. Das heißt, direkt unter dem Belag kommt die Tiefgaragendecke. Anders ist es vor dem Hauptbahnhof geplant: Dort soll die Überdeckung ermöglichen, dass Bäume tief genug wurzeln können.

Jedoch hätte von Winning nichts dagegen, dass auf dem Kornhausplatz auf Dauer Pflanzkübel stehen. Allerdings müsste jemand die Pflanzen gießen und den Müll beseitigen. Ansonsten bezeichnet er den in Folge eines Wettbewerbs gestalteten Platz als „gelungen“ mit den Lichtleisten im Boden und der Bank.

Wirkt nur schön bei Nacht

Auch vh-Leiterin Dagmar Engels schwärmt von dem Platz, aber nur, wenn die Kinder im Brunnen spielen und bei Nacht, weil dann die indirekte Beleuchtung wirkt. Bei Regen hingegen sei es ein Pseudo-Kornfeld. „Dennoch wollen wir keine Kuschelecken und keine Grünanlagen, die verdrecken.“ Die Pflanzkübel zeigten, „wie man dem Platz die Trostlosigkeit nehmen könnte“.

Was sagen die Schülerinnen auf der Betonbank zur eventuellen Dauerlösung Pflanzkübel? „Wow, das ist ja richtig kreativ“, sagt eine ironisch und verzieht das Gesicht. Dann sollten die Pflanzkübel wenigstens farbig sein und nicht aus Holz.

Langwierige Sanierung

Kosten Die sanierte Kornhaus-Tiefgarage war vor gut vier Jahren längst wieder im Betrieb, aber oberirdisch ging es nicht voran. Statische Berechnungen während der Sanierung hatten ergeben, dass das Gewicht des Belags auf der Tiefgaragendecke reduziert werden muss. Die Neuplanung führte zu Mehrkosten von 180.000 Euro und zu den Gesamtkosten von 830.000 Euro.

Nutzung Die Anlieger wie Volkshochschule, Schule und Messe wurden über die eingeschränkte Nutzung hinsichtlich Auflast und Tonnage, etwa nicht zu viele Lastwagen vorfahren lassen, informiert. Es dürfe aber an Fasching weiter vor dem Kornhaus getanzt werden. Selbst die künftigen Pflanzkübel dürfen nicht zu schwer sein.

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