Theater Kripo Ulm: Spannender Drehtag mit 90 Komparsen

JASMIN JOVAN 12.09.2016
Am Samstag hat im Theater Ulm ein Drehtag für den zweiten Fall von "Kripo Ulm" stattgefunden. 90 Ulmer und Ulmerinnen sind dort in Abendkleidung und schick zurecht gemacht erschienen, um als Komparsen in den Filmsequenzen mitzuwirken. <i>Und auch wir waren mit der Kamera vor Ort.</i>

„Zerr doch nicht so!“ - Mit diesen Worten stürmt Schauspielerin Ulla Willick an der Seite von Andreas von Studnitz ins Foyer des Theaters Ulm. Circa 40 weitere Darsteller stehen dort in der Eingangshalle in Grüppchen, unterhalten sich und bringen Leben ins Bild von Kameramann Cornelius Bierer.

Am Samstagnachmittag wurde für „Kripo Ulm - Der zweite Fall: Theaterblut“ gedreht - mit etwa 90 Komparsen, die sich auf den Facebook-Aufruf des Theaters im August beworben hatten. Manche von ihnen hatten gar nicht damit gerechnet, dass sie auch ausgewählt werden. So auch die 15-jährige Rachel Wölflik, die jetzt im hübschen schwarzen Kleid, mit gestylten Haaren und voller Adrenalin im Foyer steht: „Ich dachte nicht, dass ich nach dieser Email genommen werde. Aber es macht schon Spaß. Ich muss durchs Bild laufen und mit einem jungen Mann reden, der mir auf dem Handy zeigt, dass zwei Leute miteinander Schluss gemacht haben.“ Diese Anweisung hat sie von Regisseur Daniel Grünauer erhalten, der auch alle anderen Statisten delegiert und einweist.

Gedreht wird zunächst eine Szene, in der Gerichtsmediziner Dr. Herzer, gespielt von Theaterintendant Andreas von Studnitz, mit seiner Mutter, dargestellt von Ulla Willick, vor einer Vorstellung im Theater Ulm ankommt. Denn im neuen Fall von „Kripo Ulm“ geht es um einen Doppelmord im Theater. „Dabei steht Dr. Herzer im Fokus. Auch das Thema Kulturpolitik wird eine Rolle spielen. Doch alles weitere ist noch streng geheim“, erklärt Marion Geiger, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

„Wir sind am Abend vor einer Vorstellung, Sie warten im Foyer, Sie kennen das sicherlich,“ erklärt Regisseur Grünauer den Komparsen, „Die Dame im roten Kleid gefällt mir, Sie kommen bitte hierher. Haben Sie Begleitung oder hätten Sie gerne eine? Suchen Sie sich eine aus!“ Jedem einzelnen erklärt er exakt, wo er sich aufhalten und was er tun soll. Hier ein Armband weniger „Das glitzert zu sehr.“, dort ein Grüppchen von Personen, die im Theaterprospekt lesen, und mittendrin drei Personen, die „für die Bewegung im Bild zuständig“ sind. Bevor die erste Klappe fällt, werden die genauen Positionen erklärt, alle Outfits gesichtet und jede Art von Bewegung festgelegt. Dann gilt es: Grünauer und sein Team starten mit einem Ritual, das sich vor jeder Klappe wiederholt:

„Ton?“ - „Ton läuft“
„Kamera?“ - „Kamera läuft“
„Szene 2/1, die Erste“,
- die Klappe fällt -
„Aaaachtung. Und bitte!“.

Doch schon die erste Klappe will nicht klappen. Tonmann Daniel Hatvani bricht ab: „Die draußen haben nichts mitbekommen, die reden was völlig anderes.“ Also alles auf Anfang, die Produktionsleiterin wird mit einem Walkie Talkie ausgestattet und vor der Tür bei den Schauspielern platziert, damit auch dort die Regieanweisungen verstanden und die Schauspieler zur richtigen Zeit losgeschickt werden können. Weitere Klappen folgen, Grünauer verfeinert, gibt weitere Anweisungen und achtet ganz besonders darauf, dass die Anschlüsse stimmen. Dann folgt eine kurze Pause, in der die Kamera neu eingestellt und auf einer anderen Position aufgestellt wird. Die gleiche Szene noch einmal. Einer der Statisten soll bei dieser Einstellung am Anfang direkt vor der Kamera durchs Bild laufen. Wolfgang Rocholz ist aufgeregt. Er hat früher selbst Filme gedreht und sich deshalb sofort gemeldet, als er die Ankündigung auf Facebook gesehen hat. Er hat sich - wie auch die anderen Komparsen - in Schale geworfen. In Anzug und mit Krawatte läuft er jetzt also immer routinierter durch das Bild. „Ich war schon aufgeregt,“ erklärt er danach, „am Anfang hab ich gezittert und bin auch etwas steif geworden. Das macht einfach nervös, weil man denkt: ‚Du machst die ganze Szene kaputt, wenn du jetzt etwas falsch machst’.“

Mit sechs Stunden Zeitaufwand rechnen die Komparsen, von denen die meisten schon den ersten Teil von „Kripo Ulm“ gesehen haben und jetzt selbst mitwirken wollen. Viele von ihnen werden nicht gleich bei der ersten Szene gebraucht, sondern halten sich noch in einem abgesperrten Bereich auf, in dem ein kleines Buffet mit Softdrinks, Hot Dogs, Chips, Keksen und Gemüsesticks aufgebaut ist.

„Film heißt immer: viel warten, viel sitzen und dann kurz drankommen,“ erklärt Produktionsleiterin Kerstin Woydt. Um eine Szene abzudrehen, die später vielleicht 20 bis 30 Sekunden zu sehen sein wird, braucht das Dreh-Team etwa eineinhalb Stunden. Am vergangenen Samstag war der bislang dritte Drehtag für Kripo Ulm. Auf der Ludwig-Erhardt-Brücke und im Polizeipräsidium hat das Team schon gefilmt. Weitere Drehs im Theater Ulm selbst, in einer Wohnung und Sequenzbilder in ganz Ulm folgen. „Der letzte Dreh wird Mitte Dezember sein. Danach geht’s an die Postproduktion mit Schneiden und Nachsynchronisieren. Und natürlich die Bühnenproben für die Schauspieler,“ sagt Woydt. Am 13. Januar 2017 dann soll die Premiere im Podium stattfinden.

Für einen Dreh am 18. Oktober werden schon jetzt weitere Komparsen gesucht. 800 Stück braucht Woydt, um das Große Haus im Theater zu füllen. Und vielleicht ruft Regisseur Grünauer auch dann wieder: „Das war schön, aber wir machen’s nochmal zur Sicherheit. Wir haben einen Lauf!“

Komparsen für weiteren Dreh gesucht

Für einen Dreh im Theater Ulm am 18. Oktober sucht das Team von „Kripo Ulm 2“ insgesamt 800 Komparsen. Bewerben kann man sich bis 10. Oktober unter der Emailadresse komparsen@ulm.de

Weitere Infos gibt es auf Facebook unter www.facebook.com/kripoulm