Um 22.40 Uhr wird es plötzlich hektisch im Ulmer Bundeswehrkrankenhaus (BWK). Zwei Rettungswagen und ein roter Feuerwehrbus fahren mit Blaulicht in die Tiefgarage. Mitarbeiter des Krankenhauses tragen Mundschutz und hellblaue Kittel und bringen fünf Patienten auf eine Isolierstation im siebten Stock des Hauses. Man will verhindern, dass die Männer Keime aus Osteuropa einschleppen, erklärt Major Peter Scheck, Pressereferent des Ulmer BWK.

Bundeswehrkrankenhaus: Ukrainische Soldaten wurden im Krieg schwer verletzt

Denn bei den eingelieferten Patienten handelt es sich um ukrainische Soldaten. Sie sind im Krieg zwischen der ukrainischen Armee und den prorussischen Separatisten schwer verletzt worden. Einige wurden angeschossen, andere durch Granaten verwundet.  „Es sind klassische Kriegsverletzungen“, sagt Dr. Falk von Lübken, der die medizinische Versorgung der Ukrainer in Ulm koordiniert. Er erwartet, dass der Großteil der  Verwundeten wochenlang bleiben muss. Vielleicht sogar länger. Und obwohl von Lübken mehrfach operieren will, stellt der Mediziner klar: „Alle Soldaten werden Folgeschäden davon tragen.“

Kriegsverletzungen: Ukrainischer Botschafter bittet Auswärtiges Amt um Hilfe

Dennoch: Für die fünf Männer zwischen 24 und 48 Jahren ist ein Glück, dass sich die Ulmer Mediziner nun um sie kümmern. Denn die Ärzte in ihrem Heimatland konnten ihnen nicht mehr helfen. Deswegen bat der ukrainische Botschafter seinen deutschen Kollegen um Hilfe. Der verständigte das Auswärtige Amt. Daraufhin reiste eine Ärzte-Delegation in die Ukraine, besuchte  Patienten und wählte aus, wer sich für eine Behandlung in Deutschland eignet.

200 Soldaten aus der Ukraine wurden seit 2010 in Deutschland behandelt

Ein Prozedere, das schon seit 2010 so gehandhabt wird. Damals hatte das Auswärtige Amt erstmals seine Hilfe angeboten. Seither wurden etwa 200 ukrainische Soldaten in deutschen Bundeswehrkrankenhäusern behandelt, die meisten in Koblenz und Ulm.

Für die jetzt eingelieferten Soldaten ging es vergangenen Dienstag auf die Reise. In  Kiew holte ein Airbus der Bundeswehr insgesamt 15 Männer ab und flog sie nach Berlin. Von dort wurden fünf Soldaten weiter nach Memmingen transportiert, wo sie ein 20-köpfiges Team aus Ärzten, Rettungskräften, Feuerwehrleuten und Feldjägern abholte. „Alles hat zu 100 Prozent geklappt“, sagte der leitende Arzt Dr. Martin Kulla.

Heilung der Psyche: Soldaten sind vom Krieg traumatisiert

Wie es nun für die Männer weitergeht, soll sich in den kommenden Tagen zeigen. „Wir erstellen erst einmal eine komplette Diagnostik. Danach werden wir entscheiden, ob und wie oft wir operieren“, sagt von Lübken. Das Ziel der Behandlung ist klar: Die Soldaten sollen so gut wie möglich wiederhergestellt werden. Das gilt auch für die Psyche. Schließlich ist es möglich, dass die Soldaten von den Eindrücken des Krieges traumatisiert sind.  Deswegen arbeitet von Lübken mit Psychiatern zusammen. „Wir bieten jedem Patienten an, sich psychologische Hilfe zu holen“, sagt der Mediziner.

Wenn die Behandlungen abgeschlossen sind, sollen die Männer in ihre Heimat zurückkehren. Ob sie dort dann erneut zum Militärdienst eingezogen werden, sei unklar, heißt es seitens der Bundeswehr.

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Tradition Humanitäre Einsätze haben in der Bundeswehr eine lange Tradition. Seit vielen Jahren behandeln deutsche Ärzte Soldaten aus anderen Ländern – darunter aus Libyen, Syrien, dem Irak und der Ukraine. Auch bei Naturkatastrophen sind Bundeswehr-Mediziner vor Ort.  Die Kosten für die Einsätze inklusive der individuellen medizinischen Behandlung und Therapie übernimmt der deutsche Staat.