Internet Kooperation zweiter Konkurrenten

Ulm/Neu-Ulm / Von Frank König 13.01.2018
Die SWU Telenet öffnet ihr Glasfasernetz für den Wettbewerber Telekom. Das soll Auslastung und Rentabilität verbessern.

Bei der Breitband-Versorgung für schnelles Internet kommt es zu einer überraschenden Kooperation zweier bisheriger Konkurrenten: und zwar zwischen der städtischen SWU Telenet und dem Marktführer Deutsche Telekom. Dabei kann die Telekom mit Hilfe des lokalen Telenet-Glasfaserkabels nun Highspeed-Internet auch für Kunden anbieten, die bisher bei ihr abgehängt waren.

Seitens der Stadtwerke bestätigte Vertriebsleiterin Katrin Breitinger die Vereinbarung mit dem Bonner Konzern. Die Telenet werde schon im Februar mit einem so genannten „Friendly-User-Test“ beginnen, um dann im März/April offiziell in Betrieb zu gehen. Mit der Kooperation wolle die Telenet ihr eigenes Netz nun sukzessive für andere Provider öffnen – die dafür natürlich bezahlen müssen. Das Stichwort lautet: Open Access oder offener Zugang. Dies lastet einerseits die Infrastruktur der Telenet besser aus und erhöht die Profitabilität des städtischen Unternehmens.

Nur letzte Meile mit Kuperkabel

Die Kunden anderer Provider können so schneller im Netz surfen, haben dann allerdings auch keinen Anlass mehr, zu Telenet zu wechseln. Es geht um die derzeit üblichen Spitzengeschwindigkeiten im Internet von 50 bis 100 Megabit pro Sekunde.

Wie funktioniert der Deal zwischen Telenet und Telekom technisch? Die SWU Telenet konnte auf Beschluss der Regulierungsbehörde bereits 180 Kabelverzweiger der Telekom erschließen: graue Kästen am Straßenrand, die von der Telenet im Tiefbau mit einem modernen Glasfaserkabel angefahren wurden. Nur noch die letzte Meile bis zum Haus selber wird mit dem altem Kupferkabel der Telekom überbrückt. Durch die Kombination mit dem schnellen Glasfaserkabel lassen sich dennoch wesentlich höhere Geschwindigkeiten im Internet erzielten: für Privatkunden, die zunehmend Spielfilme mit hohen Datenmengen herunterladen und Videoanbieter wie Netflix nutzen; aber natürlich auch für Firmenkunden, die eventuell umfassende Dokumente versenden oder empfangen wollen.

Die Telekom hatte zuletzt mitgeteilt, dass sie die kommunale Glasfaser-Infrastruktur der Telenet nutzen wolle – und zwar sowohl die Leitungen, die zu den Kabelverzweigern führen, als auch direkt in die Häuser. Im ersten Fall spricht man von Fiber to the Curb (FTTC), also Glasfaser bis an den Straßenrand, im anderen von Fiber to the Home (FTTH, Glasfaser bis nach Hause).

Die Kooperation umfasst fünf Stadtnetzbetreiber, darunter auch in Regensburg, Coburg, Bamberg und Passau. Auf diese Weise will die Telekom 125 000 Haushalte erschließen. Dazu Vorstandsvorsitzender Tim Höttges in einer Mitteilung: „Die Zusammenarbeit ist auf der einen Seite gut für unsere Kunden, die superschnelle Anschlüsse nutzen können. Auf der anderen Seite machen solche Kooperationen auch den Glasfaserausbau für die Stadtnetzbetreiber schneller wirtschaftlich rentabel, weil die Infrastruktur besser ausgelastet wird.“ Es ist kein Geheimnis, dass die von Michael Beuschlein geführte SWU Telenet im Zuge der Finanzkrise des Gesamtunternehmens stärker auf Rentabilität achten muss.

Dezentraler Ausbau der Netze

Die Telekom hat ähnliche Vereinbarungen mit Net-Cologne (Köln), Innogy (Essen) und EWE (Oldenburg) unterzeichnet. Höttges: „Der weitere Glasfaserausbau kann nur gemeinsam gelingen. Die Telekom will dafür mit ihren Wettbewerbern weiter kooperieren.“ Die SWU Telenet hatte im Rahmen ihrer Ausbauoffensive, zuletzt einen Schwachpunkt angegangen: die Neu-Ulmer Gewerbegebiete links und rechts der Europastraße. Vor allem in diesen dezentralen Gebieten war schnelles Internet bisher ein Problem, während ein Ausbau in den Stadtzentren natürlich auf engem Raum ein viel höheres Kundenpotenzial erschließt und somit auch für die großen Konzerne interessant ist.

Daten und Fakten zum lokalen Provider Telenet

Abokunden Die SWU Telenet verfügte zuletzt über 7.700 Kunden für Internet und Telefon sowie 16.300 für TV und Radio. Das städtische Unternehmen im Verbund der Stadtwerke hat seit 2001 insgesamt 18 dezentrale Stadtteile in Ulm und Neu-Ulm für schnelles Breitband-Internet erschlossen. Die Telenet, auch IT-Dienstleister der Stadt Ulm, beschäftigt rund 60 Mitarbeiter.

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