Hochschule Kooperation über Grenzen hinweg

Prof. Bernd Vögel.
Prof. Bernd Vögel. © Foto: Privat
Ulm / ruk 08.05.2018
Ein Team um Prof. Bernd Vögel von der Hochschule Ulm arbeitet an einem interdisziplinären und länderübergreifenden Projekt mit.

Wer kennt das nicht? Es zwickt und zwackt, genau dort, wo man bislang immer die Leber verortet hat. Als fortgeschrittener Hypochonder schaut man wo nach? Bei Dr. Google. Und entdeckt so viele schwere Erkrankungen, dass sich sehr wahrscheinlich nicht nur die Leber im Endstadium befindet, sondern der ganze Kerl. Dr. Google ist unschlagbar, nach der Lektüre kann sich so wunderbar sterbenskrank fühlen.

Millionen von Menschen sind im Netz täglich auf der Suche nach Krankheiten und Symptomen. Mal ganz abgesehen davon, dass die Selbstdiagnose per Netz nicht wirklich taugt – mit eHealth, wie Bernd Vögel den Begriff versteht, hat Dr. Google nur ganz entfernt zu tun. Was aber ist eHealth? „Die Bandbreite ist groß“, sagt Bernd Vögel. Unter den Begriff eHealth kann alles subsumiert werden, was im weitesten Sinne mit digitalen Technologien und Gesundheitswesen zu tun hat, sagt der 46-Jährige, der Professor für medizinische Informatik an der Hochschule Ulm ist. Darunter fällt die klassische Informatik – und damit Menschen wie Vögel, die Daten erfassen und auswerten. Oder Medizintechniker, die Messgeräte entwickeln, um Parkinson-Patienten überwachen zu können. Dazu zählt beispielsweise auch die Telemedizin, also die Möglichkeit, nach einem Unfall Röntgenbilder eines Verletzten einem Experten auf einer Plattform zugänglich zu machen, mit der Bitte um eine detaillierte Diagnose. Apps, die MS-Kranke unterstützen oder Blutdruck-Daten sammeln und an den behandelnden Arzt weitergeben, werden ebenfalls dazugerechnet. Es geht also um Vorbeugung, Diagnose, Behandlung, Überwachung und Verwaltung im Gesundheitswesen.

Wie können eHealth-Lösungen aussehen, damit ältere Menschen möglichst lange ein selbstständiges Leben in ihrer gewohnten Umgebung führen können? Mit dieser Frage befasst sich unter anderem ein Projekt, an dem Vögel zusammen mit drei weiteren Professoren der Hochschule Ulm, Philipp Graf, Joachim Hering sowie Damian Gerbaulet, beteiligt ist: dem „eHealth Eurocampus“. Insgesamt zehn Partner bringt das Projekt, das im Herbst 2016 startete und zunächst bis Ende Juli 2019 angelegt ist, zusammen. Die Truppe ist bunt gemischt und interdisziplinär zusammengestellt, sagt Vögel. Spanier sind darunter, Franzosen, Waliser und Zyprer, dazu die Ulmer. Mediziner sind mit von der Partie, Experten aus der Pflege und eben IT-Fachleute wie Vögel. „Unterschiedliche Berufsgruppen zusammenzubringen, hat den Vorteil, dass man den Blickwinkel des Anwenders im Auge hat. Wenn man nur Informatiker auf etwas ansetzt, kommt was ganz anderes heraus als beispielsweise bei Pflegekräften.“

Ziel der Klasse ist es, fünf Lehrmodule zu erarbeiten – eines, das zu Anwendung und Werkzeugen oder wie es auf Englisch heißt: application and tools, wird federführend von der Hochschule Ulm verantwortet. In dem Modul geht es darum, wie Daten, die beispielsweise über ein Blutdruckmessgerät erhoben werden, über Bluetooth auf einem Smartphone abgespeichert und dort als grafische Darstellung wiedergegeben werden. „Man kann dann auf dem Smartphone  sehen, wie sich der Blutdruck entwickelt hat.“ Die Ulmer Wissenschaftler um Vögel forschen am Standard der Übertragung, sagt Vögel, also am technischen Input, die Partner von der Wrexham Glyndwr University in Wales kümmern sich um die Benutzeroberfläche. Ein Thema, das bei älteren Anwendern nicht ganz ohne ist.

Von der EU gefördert

Das Projekt, das von der Agentur Eurorégion Pyrénées-Méditerranée koordiniert und über das EU-Programm „Erasmus plus“ mit 430.000 Euro gefördert wird, bringt aber nicht nur Professoren zusammen, sondern auch Studenten. Denn das Anliegen von „Erasmus plus“ ist, auch die Mobilität von Studierenden zu erhöhen. Nicht als Selbstzweck freilich. Sie sollen lernen, interdisziplinär und international zusammenzuarbeiten sowie Netzwerke herzustellen, sagt Vögel. Studierende der beteiligten Hochschulen können sich für zweiwöchige „Summer Schools“ anmelden, Kosten für Unterkunft und drei Mahlzeiten am Tag übernimmt das EU-Programm, „was die Studierenden in den Pubs liegen lassen, das ist allerdings ihr Problem“.

Zur Person

Laufbahn Dr. Bernd Vögel (46) ist seit 2013 Professor für Medizinische Informatik an der Hochschule Ulm. Der gebürtige Nersinger hat am Bertha-von-Suttner-Gymnasium das Abitur gemacht und anschließend Wirtschaftsmathematik an der Uni Ulm studiert. „Ich hatte damals schon eine Affinität zu Wirtschaft, Mathematik und EDV.“ Vögel arbeitete unter anderem bei zwei Ulmer Systemhäusern (Wilken und Open Shop), dann für mehr als zehn Jahre  am Rechenzentrum des Uni-Klinikums, wo er neben seiner Tätigkeit promovierte.

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