Alexander Weimer findet es sehr praktisch, dass er mit der Straßenbahn in die Ulmer Innenstadt fahren kann. Auf dem Weg zur Arbeit steigt der Finanzierungsmakler an der Donauhalle vom Auto in die Bahn um. „Mit dem Auto wäre es mir in der Stadt zu anstrengend“, sagt der 40-Jährige. Bis zum 18. Oktober hatte er nichts zu beanstanden. Dann nahm ihm eine Kontrolleurin die Fahrkarte ab.

Seit einem Motorradunfall vor zwei Jahren ist Weimer schwerbehindert, sein linkes Knie ist versteift. Im Alltag ist er auf zwei Gehstöcke angewiesen. Für die Straßenbahn kann er eine Wertmarke des Versorgungsamtes (siehe Infokasten) benutzen. Diese wird nur Menschen mit Behinderung ausgestellt. „Sie kostet mich pro Jahr 80 Euro und ich kann damit ohne weitere Kosten im ÖPNV fahren.“ Die Kontrolleurin akzeptierte die Wertmarke jedoch nicht. „Weil ich die Marke laminiert habe, damit sie dauerhaft lesbar bleibt, ist sie angeblich ungültig.“

Kontrolleurin soll Fälschung unterstellt haben

Weimer missfällt aber vor allem das Verhalten der Kontrolleurin. Diese habe ihn herabwürdigend behandelt, als sie ihm unterstellt habe, dass er die Wertmarke gefälscht haben könnte. „Das ist eine bodenlose Unterstellung und Frechheit.“ Nachdem er seine Personalien aufgeben musste, habe sie seine mangelnde Kooperation beklagt und beanstandet, dass er ihren Dienstausweis verlangte. „Sie sagte, dass es bei einer Belehrung geblieben wäre, wenn ich nicht nach ihrem Ausweis gefragt hätte.“

Nachdem seine Wertmarke eingezogen wurde, stand Weimer ohne Fahrkarte da. Als er die Kontrolleurin darauf hinwies, entgegnete diese, dass er „Lehrgeld“ bezahlen müsse. „Das war absolut deplatziert. Ich habe mich wie ein Schwerverbrecher gefühlt.“ Schließlich bezahlte er eine Strafe und erhielt eine Bescheinigung, mit der er an dem Tag ohne zusätzlichen Fahrschein weiterfahren konnte. Danach habe er jedoch vier Tage lang Fahrkarten kaufen müssen, bis ihm eine neue Wertmarke ausgestellt worden sei. Das sei nur deshalb so schnell gegangen, weil er sich direkt an das Landratsamt gewandt habe.

Stadtwerke entschuldigen sich

In einem Brief an Weimer, der der SÜDWEST PRESSE vorliegt, entschuldigen sich die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm für den Vorfall. Gemäß den Tarifbestimmungen ist es jedoch zulässig, ungültige Fahrkarten einzuziehen sowie eine Strafzahlung zu verlangen. Wenn Fahrscheine laminiert seien, könne ihre Echtheit nicht mehr geprüft werden.

Weimer sagt, er habe in der Straßenbahn schon häufiger Kontrolleure beobachtet, die Fahrgäste abschätzig behandelten. Selbst wenn jemand ohne Fahrkarte erwischt wird, wünscht er sich einen menschlicheren Umgang. Er habe nicht gewusst, dass er seine Wertmarke nicht laminieren dürfe. „Auf dem Brief des Versorgungsamtes habe ich keinen Hinweis darauf gefunden.“ Trotz des Vorfalls wird Weimer weiterhin mit der Straßenbahn in die Innenstadt fahren. Er will sich jedoch rechtliche Schritte gegen die SWU vorbehalten.

Berechtigung hängt von Art der Behinderung ab


Merkzeichen Es gibt verschiedene Schwerbehindertenausweise. Je nach Art und Schwere der Behinderung tragen die Versorgungsämter unterschiedliche Merkzeichen ein. Die Wertmarke für den ÖPNV zum Preis von
80 Euro erhalten Personen, für die die Merkzeichen aG, G und Gl ((außergewöhnlich) Gehbehinderte und Gehörlose) eingetragen sind. Nach dem Gesetz blinde und hilflose Personen erhalten die Wertmarke kostenfrei.