Umwelt Kontrolle im Reich des Eisvogels

Ulm / Von Carolin Stüwe 20.09.2018

Auf dem Lichternsee kräuselt sich das Wasser. In der Ferne gurrt eine Ringeltaube. Gutwetterwolken ziehen vorbei. Die Fischer Peter und Pawel Madzia, Vater und Sohn, sitzen am Ufer, genießen die Ruhe und warten, dass ein Hecht oder eine Brachse anbeißt. Aber was ist das? Ein Mann in weißem Hemd und grauem Sakko und eine junge Frau mit Klemmbrett sind im Anmarsch.

„Dürfen wir Ihre Angelscheine sehen?“, fragt Stefan Miltz, der Leiter der städtischen Abteilung Umweltrecht. Patricia Pflugrad von der Unteren Naturschutzbehörde lächelt nur freundlich. Die Stadt Ulm kontrolliert mal wieder – insgesamt dreimal im Sommer –, ob sich in den ausgewiesenen Naturschutzgebieten Lichternsee und Gronne alle an die dort strengen Regeln halten.

Badende im gesperrten See

Denn es sind beliebte Naherholungsorte, da sie nahe des Gewerbegebietes „Donautal“ liegen, und Wiblingen und Gögglingen auch nicht weit weg sind. Zur Erinnerung: Die Gronne ist bereits seit 45 Jahren Naturschutzgebiet, der Lichternsee erst seit gut drei Jahren. Diesen Mai wurden neue Schilder aufgestellt, mit Piktogrammen, damit jeder versteht: dass man nur nördlich des Fußgängerstegs, der über Gronne, Donau und Lichternsee führt, baden und zelten darf. „Als Kompromiss für diejenigen, die sich hier wie früher erholen wollen, als es ,nur’ ein Landschaftsschutzgebiet war“, erklärt Miltz. Auch die Angler, die früher Herr über alle Gewässer waren, dürfen nach harten Kämpfen des Fischereivereins an einigen Uferabschnitten weiter fischen. Peter und Pawel Madzia wissen das, haben auch gültige Angelscheine dabei. Man plaudert noch ein bisschen mit den Kontrolleuren, und Pawel Madzia erzählt, dass bei schönem Wetter trotzdem Schlauchboote und Badende im gesperrten Seebereich zu sehen sind.

Der Kontrolltrupp, dabei sind auch Ehrenamtliche des Naturschutzes, zieht weiter Richtung Uferdamm, der eigentlich nicht betreten werden sollte, weil es von hier nicht mehr weit ist zu den Vogelbrutgebieten. Am Steilufer lebt der Eisvogel, im Schilf der Teichrohrsänger. „Wir hoffen, dass Drosselrohrsänger und Zwergdommel wieder kommen“, sagt der städtische Naturschutzwart Roland Maier. Der 84-Jährige ist seit 60 Jahren in dieser Gegend unterwegs und darf wie sein Kollege Johannes Pernes die Personalien erfragen, wenn er jemanden „erwischt“.

Vorsätzlichkeit kostet doppelt

Die meisten seien sich ihres Verstoßes gar nicht bewusst, da sie immer schon gerne an der Donau und den Seen unterwegs waren. Aber sie seien einsichtig. „Nur die Hundehalter wollen partout nicht verstehen, dass hier draußen die Leinenpflicht gilt“, sagt Pernes. Was passiert, wenn jemand doch immer wieder, trotz Verwarnung, mit dem Auto reinfährt oder im Schutzgebiet paddelt? Miltz: „Dann ist es vorsätzlich und kostet doppelt so viel Bußgeld.“ Beispiele: Der Autofahrer zahlt dann 300 Euro, der Radler auf der Wiese 200 Euro.

Und das Pärchen, das da vorne am Ufer steht? Der Mann schaut durch ein Fernglas. Der Kontrolltrupp kommt näher, die beiden sehen sich um. Dann aber lachen alle, man kennt sich: Der „Ertappte“ ist der Ulmer Diplombiologe Hermann Borsutzki. Er hat im Auftrag des für diese Gewässer zuständigen Regierungspräsidiums Tübingen die Gutachten erstellt für den Lichternsee und schaut hin und wieder mal nach seinem Schützling.

Was ist erlaubt, was ist verboten?

Erlaubt In einem ausgeschilderten Gebiet nördlich des Fußgängerstegs darf man auf der Wiese lagern sowie im Wasser baden, Schlauchboot fahren und Stand up-paddeln. Ausgeschildert sind auch Uferabschnitte, an denen geangelt werden darf.

Verboten An anderen Uferbereichen darf nicht gefischt werden, damit die zum Teil seltenen Wasservögel nicht gestört werden. Naherholungssuchende dürfen nicht zelten, kein Feuer machen, nicht lärmen, nicht mit dem Auto oder Fahrrad vorfahren. Hunde müssen im gesamten Naturschutzgebiet an der Leine bleiben. 

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