Ulm Kontaktstelle Frau und Beruf vor dem Aus

Otto Sälzle sieht der Job der IHK als erledigt.
Otto Sälzle sieht der Job der IHK als erledigt. © Foto: Foto: Patrick Pleul/dpa
Ulm / Chirin Kolb 03.01.2019
Die IHK Ulm will die Trägerschaft der Kontaktstelle Frau und Beruf beenden. Das Angebot steht in der Region vor dem Aus.

Mit den Kontaktstellen Frau und Beruf verfolgt das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg im Wesentlichen zwei Ziele. Frauen sollen Beratung und Hilfestellung beim Wiedereinstieg in den Beruf nach der Familienphase erhalten und das wiederum soll Unternehmen helfen, ihren Fachkräftemangel zu lindern. In Ulm steht dieses Angebot nun auf der Kippe. Die IHK hat sich nach fast zehn Jahren entschieden, die Trägerschaft aufzugeben. Im Sommer ist Schluss.

Die IHK sieht ihren Job als erledigt an, bestätigt Otto Sälzle auf Anfrage. Zumindest was den Teil betrifft, den der Hauptgeschäftsführer als originäre Aufgabe der IHK bezeichnet. Die Kammer habe die Kontaktstelle mit Blick auf die Unternehmen eingerichtet: um deren Fachkräftemangel zu begegnen durch eine signifikant höhere Beschäftigungsquote von Frauen. „Das ist gelungen.“

Die Firmen der IHK-Region Ulm beschäftigten mittlerweile deutlich mehr Frauen als noch vor zehn Jahren. Zwar fehlten den Betrieben in der Region nach wie vor  durchschnittlich rund 16 000 Fachkräfte pro Jahr. Diese könnten aber nicht mehr in dem Maß wie früher durch die Rückkehr von Müttern in den Beruf gewonnen werden. „Diese Potenziale sind weitgehend ausgeschöpft“, sagt Sälzle. Früher hätten viele Frauen jahrelang für die Familie beruflich pausiert. Bei jungen Frauen sei das inzwischen anders. „Sie machen ein Jahr Babypause, teilen sich diese Zeit vielleicht noch mit dem Partner, und kehren dann in den Job zurück.“

Kein Kerngeschäft der IHK

Zwar gebe es nach wie vor Frauen, die Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg nach einer längeren Familienphase haben, räumt Sälzle ein. Deren Beratung gehöre aber nicht zum Kerngeschäft der IHK. Dafür gebe es andere Angebote, zum Beispiel der Agentur für Arbeit. „Unsere Legitimation war stets die andere Seite.“

Da die IHK diese Aufgabe als erfüllt ansehe, habe sie dem Wirtschaftsministerium mitgeteilt, die Trägerschaft der Kontaktstelle Frau und Beruf zu beenden. Auf Bitten des Ministeriums erfolge der Ausstieg nicht kurzfristig, sondern erst im Sommer.

Das Wirtschaftsministerium ist an einer Fortsetzung des Angebots in Ulm interessiert, betont eine Sprecherin: „Die Kontaktstellen arbeiten sehr erfolgreich und sind für Frauen wichtige Anlaufstellen.“ Ende Januar wird es in Stuttgart ein Treffen geben, an dem auch die IHK teilnehmen will. Dabei soll ausgelotet werden, welche Möglichkeiten es gibt, um die Kontaktstelle für die Region aufrechtzuerhalten.

Jede Kontaktstelle soll mit 2,5  Personalstellen besetzt sein. Das Ministerium trägt 60 Prozent der Personalkosten, höchstens 113 000 Euro pro Jahr. Dazu kommt eine Sachkostenpauschale. Wie viel Geld ein Träger vom Land erhält, „hängt stark vom jeweiligen Portfolio ab“, sagt die Sprecherin. In Ulm zum Beispiel hat die IHK nach eigenen Angaben im Jahr 2016 vom Land 94 000 Euro erhalten und 50 000 Euro an Eigenmitteln in die Kontaktstelle gesteckt.

CDU: Stadt Ulm als Träger

Auch das städtische Frauenbüro ist interessiert daran, dass die Kontaktstelle bestehen bleibt. „Sie hat extrem wichtige und gute Arbeit geleistet“, sagt Diana Bayer. Eine solche Beratungsstelle zu betreiben, sei zwar keine originär städtische Aufgabe. „Aber gäbe es sie nicht mehr, wäre das ein großer Verlust.“

Das sieht auch die CDU-Fraktion so, die sich in einem Antrag dafür einsetzt, dass die Stadt als Träger in die Bresche springt. „Es muss alles getan werden, um die Kontaktstelle für die Stadt Ulm und die Region zu erhalten“, sagt die Ulmer CDU-Vorsitzende und Stadträtin Barbara Münch. „Die Stelle hilft Frauen beim Wiedereinstieg ins Berufsleben und ist gleichzeitig ein Mittel gegen den Fachkräftemangel.“

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Beratung im ganzen Land

Kontaktstellen Das baden-württembergische Wirtschaftsministerium will mit den Kontaktstellen Frau und Beruf ein flächendeckendes Beratungsangebot sicherstellen. Es gibt sie für zwölf Regionen mit Standorten oder Sprechzeiten unter anderem in Ulm, Freiburg, Reutlingen, Villingen-Schwenningen, Heilbronn, Nagold, Pforzheim, Ludwigsburg, Karlsruhe, Aalen, Heidenheim, Stuttgart, Mannheim, Heidelberg und Ravensburg, jeweils für die umliegende Region.

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