Der Konflikt um den kostenlosen Internet-Zugang auf zentralen Plätzen in Ulm mittels so genannter Wlan-Hotspots gewinnt an Schärfe. Der Spezialist für Satelliten-Telekommunikation Level 421 wirft der Stadt eine protektionistische Politik vor, nachdem sie ihre Tochter SWU Telenet ohne vorherige Ausschreibung mit dem Aufbau und Betrieb von Hotspots am Rathaus und Münsterplatz beauftragen wollte. Nun legt Markus Haut von Level 421 nach: Weil die Stadt mit Telenet den Wettbewerb einschränke, machten große Anbieter von Glasfaserverbindungen längst "einen weiten Bogen" um Ulm. Haut in seinem Statement: "Die Konsequenz ist, dass Ulm ein drittklassiger Standort, was Internet-Bandbreite angeht, geworden ist."

Nach seiner Darstellung gehen die Glasfaser-Trassen großer Anbieter wie Colt, Cogent und Gasline allesamt an Ulm vorbei. Auf diese Weise würden notwendige Investitionen in Breitband-Infrastruktur "massiv vernachlässigt". Es laufe in der Stadt auf die Alternative Telekom oder Telenet hinaus. In diesem Zusammenhang gibt es auch Informationen, der Münchner Anbieter von Internet- und Telefonpaketen M-Net wolle seine Geschäftsstelle im Karlsbau aufgeben oder nur in kleinerer Form weiterführen. Ein Firmensprecher sagte dazu am Montag, er könne dies nicht bestätigten - aber auch nicht dementieren.

Haut vertritt den Standpunkt, die meisten Konkurrenten auf dem Telekommunikationsmarkt hätten gegen die von der Stadt bevorzugte SWU Telenet sowieso keine Chance und wüssten dies auch: "Also investieren sie nicht." Auch bedeutende Spieler auf dem Markt wie Vodafone und Telefonica verfügten nicht über Knotenpunkte in Ulm.

Level 421 hat zuletzt wie angekündigt vor Schwörmontag den Hotspot auf dem Münsterplatz in Betrieb genommen, mit Antenne bei Abt. Haut berichtete, die ersten Touristen aus Taiwan, Neuseeland und USA hätten das Wlan-Angebot von Ulm Connect zum kostenlosen Surfen für eine halbe Stunde schon angenommen. Er kann die Nationalität der Surfer bestimmen, weil man sich ein Passwort fürs Internet auf sein Handy schicken lassen muss.

Die Stadt hat ihre Hotspot-Pläne wegen der rechtlichen Unsicherheit dagegen vorerst auf Eis gelegt. Finanzbürgermeister Gunter Czisch bekräftige erneut, die Stadt werde "keine Konzession" für die Hotspots vergeben und somit keinen Anbieter bevorzugen. Es solle sich beim Wlan am Rathaus und Münster eher um ein "symbolisches" Angebot zu Zwecken des Stadtmarketings handeln, mit dem man vermutlich nicht mal 1 Prozent der innerstädtischen Fläche abdecke.

Bei der vermuteten Bevorzugung der Telenet handle es sich um eine "Verschwörungstheorie". Die Glasfaserkabel würden von der neutralen SWU Netze verlegt. Die Telenet, aber auch andere Anbieter könnten darüber ihren Internetverkehr abwickeln. Es sei erklärtes Ziel der Stadt Ulm, überall schnelles Internet anzubieten. Den positiven Impuls fürs Citynetz erkennt auch Haut an.

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