Ulm Komponist Marios Joannou Elia: Ulm muss seine Schwächen aufdecken

Marios Joannou Elia: Es gibt keine unspielbare Musik.
Marios Joannou Elia: Es gibt keine unspielbare Musik. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / CHRISTOPH MAYER 29.05.2015
Marios Joannou Elia ist der Komponist des Ulmer Oratoriums, das am Freitag und Samstag anlässlich der Feierlichkeiten zum 125. Münsterturmjubiläum hätte aufgeführt werden sollen. Hier spricht er über Schwaben, das Turmjubiläum und warum er nach wie vor an eine Uraufführung seines Oratoriums auf dem Münsterplatz glaubt.

Drei Dinge, die Ihnen zum Münsterturmjubiläum einfallen?
MARIOS JOANNOU ELIA: Zuerst natürlich das „Ulmer Oratorium“, weil ich damit eng verbunden bin. Dann die Chance für Ulm, international Schlagzeilen zu machen. Und schließlich bietet solch ein Jubiläum auch die Möglichkeit, die Beziehung zwischen den Ulmer Bürgern und ihrem Stadt-Wahrzeichen zu festigen.

Drei Gründe, warum das Münsterturmjubiläum national und international weitaus weniger wahrgenommen wird, als sich das die Verantwortlichen erhofft haben?
Zweifellos wegen der Nichtaufführung meines Oratoriums. Gerade für überregionale Medien wäre es interessant gewesen, über etwas zugleich Visionäres, Monumentales und Identitätsstiftendes ausführlich zu berichten.

Drei Gründe, warum Ulm europäische Kulturhauptstadt werden soll?
Ulm hat sicher Stärken – aber auch Schwächen. Langfristig müsste die Stadt auf ganzheitliche Weise ästhetischer werden. Entscheidend für eine Bewerbung ist, dass Ulm seine Schwächen aufdeckt.

Drei grundlegende Eigenschaften, in denen sich Zyprer und Schwaben unterscheiden?
Bei Schwaben erlebe ich drei Eigenschaften als besonders stark ausgeprägt: Gemeinschaftsgefühl, Meinungscourage und die Suche nach Wahrheit.

Drei Werke, die sie für unspielbar halten?
Es gibt kein unspielbares Werk. Das ist in erster Linie eine Frage der Kommunikation und nicht der Komposition. Ob die Realisierung eines Werkes gelingt, hängt von dessen Vermittlung zwischen einem Produzenten/Dirigenten und dem Orchester, den Chören und Solisten ab. Wenn diese Vermittlung gelingt, ist jedes Werk spielbar.

Drei Dinge, die Sie an Ulm schätzen?
Die Vision, den Mut und die Ausdauer seiner Bürger.

Drei Orte/Gelegenheiten, an/bei denen das Ulmer Oratorium doch noch aufgeführt werden könnte?
Fakt ist, dass das „Ulmer Oratorium“ über die Presse ja schon sehr viele Menschen erreicht hat. Allein der Werbefilm wurde innerhalb einer Woche mehr als 40.000 mal angeklickt. Es gehört deshalb zur Ulmer Klangidentität. Daher sehe ich die Uraufführung des Werkes nach wie vor auf dem Münsterplatz. Der ist nämlich Bestandteil meiner Musik und schwingt mit. Wir sind gerade in Verhandlungen mit der Stadt, wann und wie dies konkret gelingen kann. Es gibt sogar schon einen idealen Anlass. Aber den möchte ich jetzt noch nicht verraten. Abgesehen davon könnte mein Oratorium natürlich vor jedem monumentalen Sakralbau aufgeführt werden.

Drei Ziele, die Sie erreichen wollen?
Ambitionierte und außergewöhnliche musikalische Großereignisse zu schaffen, in Verbindung mit Sport, Technik und zeitgenössischer Architektur. Und zwar so, dass Hochkultur und Bürgerwahrnehmung verzahnt sind. 

Zur Person

Absage Marios Joannou Elia, 36, ist Komponist des Ulmer Oratoriums, das am Freitag und Samstag anlässlich der Feierlichkeiten zum 125. Münsterturmjubiläum hätte aufgeführt werden sollen. Doch es kam bekanntlich anders: Die Stadt kündigte den Vertrag mit Elia, weil der angeblich nicht fristgerecht geliefert hatte und die Partituren streckenweise „unspielbar“ gewesen seien.

Monumentalist Eliou gilt in der Musikszene als Mann fürs Monumentale. Der in Zypern geborene Musiker schuf 2010 die „Autosymphonic“, eine in Mannheim zum 125. Geburtstag des Automobils vor 20.000 Zuschauern uraufgeführte Sinfonie für 81 Autos und 120 Percussionisten und vielen weiteren Mitwirkenden. Elia studierte am Mozarteum in Salzburg, seine Opern, Musiktheater- und Tanzmusikwerke wurden unter anderem von den Staatsopern Stuttgart, Hannover und Skopje aufgeführt.

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