HELMUT PUSCH Komponist Elia: „Ich war einfach zu hilfsbereit“

HELMUT PUSCH / 27.03.2015
Warum ist das „Ulmer Oratorium“ gescheitert? Komponist Marios Joannou Elia schilderte gestern im Stadthaus-Café seine Sicht der Dinge.

Ulm feiert das ganze Jahr die 125. Wiederkehr der Münstervollendung. Der Höhepunkt hätte die Uraufführung des „Ulmer Oratoriums“ des zyprischen Komponisten Marios Joannou Elia werden sollen. Am 5. März sagte Oberbürgermeister Ivo Gönner das Vorhaben ab. Elia habe nicht fristgerecht geliefert. Das will der zyprische Komponist nicht auf sich sitzen lassen. Am Freitag schilderte im Stadthaus-Café seine Sicht der Dinge.

Und die wirft kein gutes Licht auf die Ulmer Partner des Vorhabens. „Bei solchen Großprojekten gibt es immer eine Menge Probleme“, sagt Elia, der 2012 in Mannheim das Projekt „Autosymphonic“ realisierte. Dort habe sich eine 80-köpfige Agentur darum gekümmert, das Projekt durchzuziehen. „Ich habe auch in Ulm ein Projektmanagement gefordert, das Erfahrungen mit solchen Vorhaben hat“, sagt Elia. Die Stadt habe das aber abgelehnt. Die Folge: „Jeder, der etwas geändert haben wollte, hat sich damit an mich gewandt.“ Überhaupt: „Am Anfang stand gar nicht genau fest, wer überhaupt alles eingebunden werden soll.“ Ständig habe es Änderungswünsche gegeben, das Libretto sei um Monate verspätet fertig geworden. Das Einzige, was sich nie veränderte, war mein Abgabetermin.“

Doch Elia gab sich auch selbstkritisch: „Mein Fehler war, ich war einfach zu hilfsbereit.“ Statt auf seine künstlerische Freiheit zu pochen, habe er versucht alle Änderungswünsche zu berücksichtigen. Eine zentrale Projektleitung hätte solche Begehrlichkeiten wenn nicht abblocken, dann wenigstens kanalisieren können, sagte der Komponist. So habe er mit den vielen Wünschen auch viel Zeit verbraucht.

So ein Projekt klappe nur, wenn alle Beteiligten an einem Strang zögen. Das habe er in den vergangenen Monaten aber zunehmend vermisst. Vor allem dem musikalischen Leiter, Münsterkantor Friedemann Johannes Wieland, machte Elia Vorwürfe: „Ich habe das Gefühl, Wieland hat es so gesteuert, dass alles abstürzt.“ Was Wieland entschieden zurückweist. Im Gegenteil, er habe alles versucht, die Aufführung zu retten. Mit Operndirektor Matthias Kaiser habe er allein 30 Stunden lang die Textierung der Chöre so geändert, damit die Texte auch verständlich sind, betont Wieland.

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