Seit Studientagen verbindet Timo Ropinski Informatik mit den Lebenswissenschaften und legte so frühzeitig den Grundstein für seine Karriere, die ihn ins schwedische Linköping geführt hat. Inzwischen leitet der Professor die Forschungsgruppe "Visual Computing" an der Universität Ulm, in der er sich unter anderem mit der Darstellung medizinischer Daten beschäftigt. Für seinen Umzug nach Ulm ist das "Wissenschaftler-Rückkehrprogramm GSO/CZS" der German Scholars Organization und der Carl-Zeiss-Stiftung verantwortlich. "Menschen bauen ein ganz anderes Verständnis für Daten auf, wenn sie eine Visualisierung sehen", sagt Ropinski vom Institut für Medieninformatik. Der 38-Jährige arbeitet daran, umfangreiche Daten am Computerbildschirm so darzustellen, dass Nutzer in kürzester Zeit Relevantes herauslesen können. Eine seiner wichtigsten Zielgruppen sind Mediziner, die anhand umfangreicher Daten aus dem MRT Diagnosen stellen müssen. Im Bereich Orthopädie beschäftigt sich Ropinski mit der visuellen Analyse zeitabhängiger Daten - etwa bei der Untersuchung von Bewegungsmustern des Knies.

Die Herausforderung: Umfangreiche zeitvariable Daten müssen von 4 D auf 2 D reduziert und am Rechner verständlich dargestellt werden. So kann der behandelnde Arzt die Dynamik des Knies vor und nach einer OP beurteilen oder zwei Patienten miteinander vergleichen. "Visualisierung ist angewandte Informatik und somit stark von Kooperationspartnern abhängig", sagt der gebürtige Sauerländer. Seine Forschungsergebnisse fließen auch in die verbesserte Darstellung von Ultraschalldaten werdender Mütter ein oder erleichtern die Untersuchung einer Mumie im Computertomographen.

Im Bereich Biochemie arbeitet der Informatiker auch an der aufwändigen Visualisierung dreidimensionaler Molekülstrukturen. Um die erforderliche Rechenleistung zu reduzieren, sind Abstraktionen nötig. Allerdings müssen Andockpunkte der Moleküle unverändert bleiben, denn nur so können etwa Wirkweisen von Arzneistoffen nachvollzogen werden. An der Uni Ulm wird sich Ropinski aber auch damit beschäftigen, wie Nutzer visuelle Darstellungen am Rechner wahrnehmen und interpretieren. Was eine gute Visualisierung ausmacht, wird er mit Kollegen aus dem Institut für Psychologie und Pädagogik erkunden. Im Experiment wollen die Forscher anhand von Aufgaben herausfinden, zu welchem Zeitpunkt und wie gut Studienteilnehmer eine Visualisierung verstanden haben.

Die Suche nach Probanden dürfte unter Ulmer Studierenden nicht schwer fallen, denn das Interesse am "Visual Computing" ist groß. Timo Ropinskis Blockveranstaltung "Computergrafik" war innerhalb von zwei Tagen ausgebucht. "Ich plane, ein Veranstaltungspaket zum Themenschwerpunkt ,Visual Computing' anzubieten und hoffe, meine Begeisterung für das Forschungsfeld an die Studierenden weiterzugeben."

Exzellente Forscher kommen nach Deutschland zurück

Programm Die German Scholars Organization und die Carl-Zeiss-Stiftung unterstützen mit dem "Wissenschaftler-Rückkehrprogramm GSO/CZS" Unis hierzulande, in Rheinland-Pfalz und Thüringen, sich im Wettbewerb um die besten Köpfe zu behaupten. Gefördert werden Berufungen von exzellenten deutschen Wissenschaftlern in den MINT-Fächern und der Betriebswirtschaftslehre, die zum Zeitpunkt der Berufung im Ausland tätig sind. Je Professur stehen Mittel von rund 100 000 Euro zur Verfügung. Timo Ropinski ist der dritte Professor, dessen Berufung an die Uni Ulm durch das Programm gelang. Seit rund einem Jahr forscht und lehrt der Mathematikprofessor Henning Bruhn-Fujimoto am Institut für Optimierung und Operations Research (zuvor Paris). Professor Alexander Kubanek kam von der Harvard University ans Ulmer Institut für Quantenoptik.

SWP