KOMMENTAR· MUSIKSTIFTUNG: Der Bürger hilft

JÜRGEN KANOLD 23.07.2012

Nur zu gut kann man die Lobgesänge auf die neu gegründete Musikstiftung Ulmer Münster verstehen - und die Dankbarkeit des Münsterkantors Friedemann Johannes Wieland für das finanzielle Engagement der Bürger, die seine Arbeit unterstützen.

Doch es kommen einem auch andere, nachdenkliche Töne in den Sinn. Diese Ulmer Musikstiftung ist bereits die vierte dieser Art innerhalb der evangelischen Landeskirche; weitere werden folgen, weil der Sparkurs der Landeskirche und der Gemeinden vor der Kirchenmusik nicht Halt macht. Die Zahl der hauptamtlichen Kirchenmusiker nimmt stetig ab. Davon, dass im Ulmer Münster wie an manchen weithin beachteten Hauptkirchen großer Städte jeweils ein Kantor und ein Erster Organist beschäftigt sind, kann Wieland, der beide Aufgaben schultert, nur träumen. Er muss sowieso, siehe Musikstiftung, nicht nur musizieren, sondern auch Geld eintreiben für die vielgelobte Sache.

Zuweilen entsteht der Eindruck, dass Kirche und Staat die Verantwortung an die Bürger weiterschieben. Stiftungen sollen es richten in der Not. Aber dass sie es dann tun, ist ein Segen.