KOMMENTAR· MAYER-DÖLLE-ABSCHIED: Stillos

HANS-ULI THIERER 25.07.2012

Es war vor Monatsfrist eine bittere Abwahl, schmerzhaft für Sabine Mayer-Dölle. Von daher ist es menschlich nachvollziehbar, dass sich Mayer-Dölle und die Stadtspitze in Person des Oberbürgermeisters Ivo Gönner im Vorfeld des Schwörmontags auf eine Verabschiedung inkognito geeinigt haben. Was hätte man auch kundtun sollen außer Unverbindlichkeiten?

Dennoch bleibt nach achtjähriger Amtszeit der ersten Frau auf einem Ulmer Bürgermeistersessel in der Außenwirkung der Eindruck eines stillosen Abtrittes, ein Ausdruck von Hilflosigkeit in diplomatisch heikler Lage. Immerhin war die 56-Jährige Dezernentin. Gemessen daran, wie gewöhnlicherweise Amtsleiter verabschiedet werden, sind auch noch so ehrlich gemeinte gute Worte des OB unter vier Augen, ein Blumenstrauß, ein gestelltes Foto im Rathausfoyer und eine - wie zu hören war von Mayer-Dölle höchstselbst aufgehübschte - Pressemitteilung arg dürftig. Oder sollte diese Schlichtheit etwa den zu Kargheit und Genügsamkeit neigendem Ulmer Stil ausdrücken?

Was bleibt? Mayer-Dölle ist als Bürgermeisterin eher an ihrer Persönlichkeit und an mangelnder Souveränität gescheitert, denn als Politikerin. Schon mehren sich Stimmen auch aus den Reihen ihrer Kritiker, die zu überlegen geben, ob die Stadt sich nicht die vorhandenen sozialpolitischen Kompetenzen sichern kann.Warum auch nicht? Nur: Iris Mann, ihre Nachfolgerin, sollte davon unbelastet bleiben.