Kulturpolitik Kommentar zur Kultur in den Haushaltsberatungen

Volkmar Könneke
Volkmar Könneke © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Jürgen Kanold 30.11.2016

Knapp 31,5 Millionen Euro Zuschuss in 53 Minuten. Keine Stunde benötigte gestern der Kulturausschuss, um in den Haushaltsberatungen den Budgetplan für die Kultur abzusegnen. Respekt! Eine Debatte? Praktisch nicht. Das ist natürlich ein gutes Zeichen: Alles ist gut. Und verglichen mit Städten etwa in Nordrhein-Westfalen herrschen in Ulm paradiesische Zustände.

Moment, es gab doch ein Thema: in Höhe von 7200 Euro.  So viel nimmt das Ulmer Museum im Jahr an Eintrittsgeld von Kindern und Jugendlichen ein. Die Freien Wähler hatten aber einen Antrag gestellt, den Eintritt bis 18 Jahre gratis zu ermöglichen. Begründung: „In Weltklasse-Museen wie z.B. Louvre Paris, Tate Gallery London, Albertina Wien bezahlten Kinder keinen Eintritt.“ Das leuchtet ein. Aber weil auch die Depot-Frage geklärt werden müsse und sowieso die neue Museumschefin Stefanie Dathe viel vorhabe und man ihr nicht dreinreden, vielmehr auf ihre Vorschläge warten wolle, so der Konsens, legten die Räte den Antrag vorerst auf Eis.

Und das war’s. Noch ein paar Statements und eine kluge Helga-Malischewski-Aussage: „Kulturhauptstadt – das ist eine Nummer zu groß für uns, also für uns, die FWG.“ OB Gunter Czisch, noch ganz detailgenauer Ex-Finanzbürgermeister, bilanzierte jovial:  „Alle sind glücklich, wunderbar!“ Und vergaß mit Recht nicht zu erwähnen, dass die Stadt auch 26,8 Millionen Euro für die Generalsanierung des Theaters ausgebe. Das Publikum fragte sich, weshalb Ulm überhaupt mit viel Geld den Prozess eines Kulturentwicklungsplans angestoßen hat. Darüber denken wir ein anderes Mal nach.