Verlärmt, verdreckt, gar unbewohnbar. Das macht die Gastronomie aus Städten. Jedenfalls wenn man dem Verein „Leben in der Stadt“ glaubt. Auch die aktuelle Realität in Ulm kommt bei den Aktivisten, die die Innenstadtbewohner vertreten wollen, schlecht weg. Weil die Ordnungskräfte die Lage nicht mehr in den Griff bekämen.

Mit Verlaub – in welcher Stadt leben die Verfasser dieser Zeilen? Offensichtlich nicht in der Mitte der Stadtgesellschaft. „Leben in der Stadt“ zeichnet für den Innenminister Thomas Strobl ein Zerrbild Ulms. Und das nur, weil die Stuttgarter Regierungsfraktionen prüfen, ob sie die derzeit gültige Sperrstunde abschaffen und die Entscheidung darüber, wie lange welche Kneipen wo geöffnet haben dürfen, in die Hände der Städte und Gemeinden legen.

Dafür spricht viel, weil die Kommunalverwaltungen näher dran sind am Geschehen. Die Stadtverwaltung Ulm kennt die die speziellen Bedürfnisse an den unterschiedlichen Orten der City. Deshalb sollte man darauf vertrauen, dass sie die kollidierenden Interessen zwischen lebendiger Innenstadt und Nachtruhe im Blick hat. Zumindest sollte „Leben in der Stadt“ – sprichwörtlich – die Kneipe im Dorf lassen. Ulm ist alles andere als unbewohnbar. Nicht übermäßig verlärmt oder verdreckt. Und für seine Größe in den Abendstunden manchmal sogar ein ziemlich totes Pflaster.