Schlecht werden kann es einem aufgeklärten Menschen, wenn er bestimmte Passagen in der Petition "Zukunft - Verantwortung - Lernen" liest. Das "Netzwerk LSBTTIQ der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Transgender, Intersexuellen und Queeren Menschen" wird mehr oder weniger offen stigmatisiert und diskriminiert.

Zumindest Teile der emotionalen Online-Kampfschrift, die massenhaft Anhänger gefunden hat und nun ebenso massenhaft Gegner auf den Plan ruft, stehen im Widerspruch zum Bekenntnis des IHK-Präsidenten Dr. Kulitz gegen "hasserfüllte homophobe Kommentare" und für "eine liberale Gesellschaft für Minderheiten".

Warum Peter Kulitz die Petition dennoch unterzeichnet hat, ist seine Sache. Ein Grund, den er ins Feld führt, ist zu respektieren, auch wenn man ihn womöglich nicht mehr für zeitgemäß, sondern für überlebt hält: Für Kulitz hat das christliche Weltbild der Familie höheren Stellenwert als alle anderen Lebensstile.

Auf einem anderen Blatt steht, inwieweit sich einer, der ein öffentlich stark beachtetes Ehrenamt ausübt, mit Meinungsäußerungen zu Wort melden kann, soll, darf. Im Streit um Stuttgart 21 haben Verwaltungsgerichte der Ulmer Kammer und ihrem Präsidenten die rote Karte gezeigt und Ausgewogenheit auferlegt. Als ob ein IHK-Präsident ein politischer Eunuch sein könnte. Dem viel gepriesenen Ehrenamt ist mit diesem Maulkorb ein Bärendienst erwiesen worden.

IHK-Präsident Kulitz denkt nicht daran, seine Unterschrift in der Petition gegen den neuen Bildungsplan des Landes zurückzuziehen