Lokalpatriotische Neu-Ulmer schauen bezüglich des Kulturangebots oft neidisch und teils auch von Minderwertigkeitskomplexen geplagt zur anderen Donauseite hinüber. Was die Ulmer so alles haben! Dabei müsste die Stadt Neu-Ulm der Stadt Ulm jeden Tag ungemein dankbar sein, denn die bezahlt zum Beispiel mehr als neun Millionen Euro jährlich für das Theater Ulm –  ein Drei-Sparten-Haus, dessen großes Angebot natürlich auch die Bürgerinnen und Bürger Neu-Ulms sehr freudig nutzen. Und das alles für den Betrag von 51 000 Euro, mit dem sich Neu-Ulm freiwillig am Ulmer Theater-Budget beteiligt.

Selbstbewusste Neu-Ulmer

Trotzdem hat Neu-Ulm natürlich auch selbst Kultur zu bieten – um nur mal das Edwin-Scharff-Museum herauszuheben. In den letzten Jahren haben die bayerischen Schwaben zudem selbstbewusst weitere feine eigene Akzente gesetzt – wie die Putte oder das Straßentheater-Festival. Also nur keine Ulmer Arroganz!

Um so verwunderlicher ist es nun, dass Neu-Ulm ausgerechnet an einem Alleinstellungsmerkmal streichen will, nämlich den Glacis-Konzerten. Es ist eine wunderbare Freilichtbühne, und dass dort vor allem lokale Bands und Ensembles auftreten, ist ein identitätsstiftendes bürgerliches Engagement – ein kulturelles Miteinander.

Im Gegenteil: Neu-Ulm müsste das Kulturangebot im Glacis eigentlich noch ausbauen und neben den Gratis-Konzerten diese Bühne für besondere Gastspiele nutzen. Auch die Ulmer kämen gerne.