KOMMENTAR · WISSENSCHAFTSSTADT: Die Grünen sind nicht die Erfinder

HANS-ULI THIERER 28.02.2013

Auch wenn sie oft so tun: Die Grünen sind nicht die Erfinder der Wissenschaftsstadt. Im Gegenteil. Deshalb sind sie gut beraten, sich zurückzunehmen, wenn es um Vaterschaften oder auch nur Patenschaften an diesem über die Region hinausstrahlenden Leuchtturmprojekt geht.

Fakt ist, dass sich die Grünen in den 80er Jahren gegen die Wissenschaftsstadt positionierten. Die Nähe der Grundlagenforschung zur Industrie gefährde die Unabhängigkeit der Wissenschaft, sagten sie. Vor allem befürchteten die Grünen, auf dem Campus könnte im AEG- und späteren Daimler-Zentrum der Stern eines Rüstungsmolochs aufgehen. Eine Sicht, die man einnehmen konnte. Sie war schon damals Indiz dafür, wo die Grünen eine ihrer Wurzeln haben: in den Urtiefen der Bürgerlichkeit und ihrer Moral.

Die Wissenschaftsstadt war ja die Antwort von Stadt und Land auf die industrielle Krise, die Ulm schwer gebeutelt hatte. Zwar konnten verloren gegangene gewerbliche Arbeitsplätze nicht zurückgewonnen werden. Wissenschaftsstadt hieß und heißt aber nie bloß Professoren und Weißkittel; sie hat tausende Arbeitsplätze in Dienstleistung und Versorgung geschaffen, die kein Abitur oder Studium voraussetzen.

Für die Grünen waren die Nöte der kleinen Leute, die sich sorgten um Arbeit, Lohn und Brot, damals allenfalls zweitrangig. Im Fokus standen bürgerliche Wertvorstellungen. Sie verlangten, sich gegen die Entwicklungen auf dem Eselsberg zu stellen.