KOMMENTAR · WENGENVIERTEL: Der Markt darf nicht alles regeln

HANS-ULI THIERER 06.06.2013

Im Sanierungsgebiet Wengenviertel steckt Potenzial. Bewohner und Eigentümer wünschen sich mehr Stadtgrün, Verkehrsberuhigung, höhere Nutzungsmöglichkeiten der Gebäude - wobei Verdichtung mehr Verkehr nach sich zieht, was im Widerspruch steht zum Verlangen nach weniger Autos.

Die Qualität des von der Sanierungstreuhand unter Angela Wagner entwickelten Konzepts besteht in Lösungsansätzen auch für solche Konflikte. Vor allem jedoch zielt es darauf ab, Wohnen, Handel und Dienstleistung mehr Raum zu verschaffen. Da die Flächen in der City knapp sind, werden die Gebäude in die Höhe gehen - wer wollte angesichts der geduckten Nachkriegsarchitektur im Geviert dagegen sein? Es müssen ja nicht gleich die Ausmaße des Wengentor-Baus sein.

Zu warnen ist vor Luxussanierungen; Exklusivrecht auf beste Stadtlagen für Vermögende existiert nicht. Der morbide Charme der Nachkriegszeit sollte nicht auf Teufel komm raus hinwegsaniert werden aus dem Wengenviertel, das Wohnort ist für breite Bevölkerungsteile. Die Grünen verlangen, den Wohnraum über Sanierungssatzungen erschwinglich zu halten. Daraus spricht nicht die übliche Reglementierungswut, sondern die Erkenntnis, dass Quartiere mit homogener Struktur am besten funktionieren. Die Höhe ist, dass andere Parteien, auch die SPD, sich dagegen achselzuckend damit abfinden wollen, dass allein die Marktgesetze die Preise bestimmen.