Kommentar · TOURISMUS: Atemlos

JAKOB RESCH 20.04.2016

Mit dem Tourismus war es früher so: Manche Gegenden und Städte hatten einen. Andere dafür Industrie. Oder so. Alles ganz anders heute. Heute buhlen alle um eine mit größerer Freizeit, üppigerem Privatbudget und rüstigerem Alter reiselustiger gewordene Gesellschaft und das in einer immer mobiler gewordenen Welt. Städtetourismus ist dabei seit Jahren eine boomende Größe. Auch Ulm macht mit und lebt nicht schlecht davon.

Abgesehen davon, dass alle mit Flugzeug, Auto oder Fahrrad mobiler geworden sind, um irgendwo hinzukommen, sind sie jetzt auch noch alle mobiler bei der Verfügbarkeit von Informationen. Internet und Smartphone machen es möglich. Und der Wettbewerb um Touristen wird noch atemloser.

Ulm ist im Rennen mit einer neuen App. Der Tourismus-Chef aber ist klug genug zu wissen, dass diese Technik morgen schon wieder von vorgestern sein kann. Die eigentliche Kunst ist ohnehin, nicht nur jüngere - wie längst ältere - Menschen mit den jüngsten Angeboten zu gewinnen. Sondern gleichzeitig die Bremse reinzuhauen und ein Gefühl der Gemütlichkeit zu wahren. Sprich: Damit das Leben in Ulm bei Besuchern auch authentisch und nicht aufgesetzt rüberkommt, sollten vor allem noch ein paar Ulmer selbst in der Stadt geblieben sein und sich hier wohlfühlen - und nicht ihrerseits woanders hingefahren sein. Das spräche sich womöglich rum.

Heiliges Stadtmarketing! Tourismusbeauftragter will man 2016 lieber nicht sein.