KOMMENTAR · STADTFINANZEN: Kein gallisches Dorf

HANS-ULI THIERER 07.08.2012

Peter Kulitz, Präsident der Ulmer IHK, hat unlängst folgenden Vergleich angestellt: Irgendwie erinnere ihn die Situation an jene vor 100 Jahren auf der Titanic, wo im Ballsaal noch Musik erklang, während der Luxusdampfer bereits sank - die Ulmer saßen in diesem Bild im Ballsaal.

Erstaunlich in der Tat, wie unbeeindruckt städtisches Leben und kommunale Finanzen bisher all die Krisen und Miseren um das Land herum weggesteckt haben, als wie widerstandsfähig sich Wirtschaft und Arbeitsmarkt trotz näher kommender Einschläge - Iveco, Nokia usw. - erweisen.

Das Eine kommt zum Anderen: Die über Jahre hinweg verfolgte Stärkung mittelständischer Strukturen hat die Wirtschaft zwar nicht immun gemacht gegen konjunkturelle Einbrüche, ihr aber Robustheit verschafft gegenüber früheren Abhängigkeiten von wenigen Großbetrieben. Parallel dazu profitiert die Stadt von höheren Einnahmen, vor allem aber rührt die nachhaltige Verbesserung von einem vernünftigen Spar- und Konsolidierungskonzept her.

Die Ulmer befinden sich nicht auf der Titanic. Ulm ist aber auch kein gegen alle Angriffe von außen renitentes gallisches Dorf. Das, was man Lackmustest nennt, also eine am Ende urteilende Prüfung, wie krisenunanfällig Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Stadtfinanzen wirklich sind, steht gerade am Anfang: Größeren Arbeitsplatzverlusten steht ein unvermindert hoher Arbeitskräftebedarf gegenüber. Doch passt auch beides zusammen?

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