KOMMENTAR · SCHWÖRMONTAG: Zaun und Eintritt helfen nicht

HANS-ULI MAYER 10.08.2012

Der Verein Leben in der Stadt kommt manchmal schrill daher. Leise ist sein Auftreten jedenfalls selten, obwohl der frühere Namen sein Programm ist. Aber bei allen Misstönen und Übertreibungen, hat "Leise", bezogen auf den ausschweifenden Schwörmontag in der Innenstadt, im Kern recht: Das Fest hat in Art und Umfang ein Ausmaß angenommen, das den Ulmer Festtag in seiner Substanz gefährdet.

Vor Jahren war die Öffnung der Innenstadt ein richtiges Instrument, um den Feiertag und mithin auch dessen demokratische Tradition für die Jugend interessant zu machen. Das war gut so. Aber seither ist viel passiert, und wenig davon hat die Dinge zum Guten gewendet. An den Großkonzerten verdienen nur wenige, es gibt mehr Kneipen mit immer größeren Außenbereichen und immer weniger live auftretende Kapellen und Bands. Stattdessen werden DJs engagiert, und laut wummernde Musik wird in den Nachthimmel gejagt.

Das alles hat den Festcharakter verändert, die Innenstadt ist zur Freiluftdisco geworden, deren Begleiterscheinungen nicht durch einen Zaun und Eintritt verhindert werden können. Verwaltung und Gemeinderat sollten über Beschränkungen nachdenken, vielleicht nur noch Live-Acts zulassen oder nach der Uhrzeit gestaffelt Dezibel-Obergrenzen festlegen. Der Schlüssel liegt in der klugen Differenzierung. Dann sollte der Tag für Alt und Jung ein Erlebnis bleiben.

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