Groß soll das Münsterturmjubiläum 2015 gefeiert werden, großartig sind einige der jetzt kursierenden Pläne allemal. Vor allem Alfredo Jaars Turmbau-Idee ist ein Knüller.

Aber ist nicht die Fallhöhe eines solchen Vorhabens gewaltig? Was ist mit der Statik? Dem Untergrund? Dem Wind? Und wie lange müsste der Münsterplatz gesperrt werden? Doch sind es auch gerade diese Fragen, die die Idee aufregend erscheinen lassen. Vielleicht geht es dem sehr politisch denkenden Jaar vor allem um den Prozess - mögliches Scheitern inbegriffen. Auch ein solches wäre ja eine Aussage: umso gewaltiger würde die Leistung des historischen Kirchenbaus erscheinen.

Aber so spektakulär das klingt - noch ist alles Spekulation. Es wird spannend, welche Vorschläge letztlich favorisiert und realisiert werden. Vielleicht wird ja auch die Bürgerschaft gefragt; Partizipation gehört auch zum Projekt.

Der Ulmer Kulturpolitik wird gern vorgehalten, sich mit regionaler Wirkung zu bescheiden. Jetzt würde tatsächlich mal geklotzt, nicht gekleckert. Das darf schon mal sein, auch wenn es sich natürlich, wie der OB betont, um Marketing, nicht um Kunst handelt.

So oder so darf in der Debatte um den "Ulmer Weitblick" wahrer Weitblick nicht vergessen werden: Nachhaltigkeit. Das bedeutet, auch im normalen Alltag, sei es im Marketing oder in der Kultur, ein vernünftiges Arbeiten zu ermöglichen. Sie ist der Boden, auf dem alles andere steht - auch ein zweiter Turm.