Wer seinerzeit mit einem langsamen Modem erstmals im Internet unterwegs war und inzwischen über einen Breitband-Anschluss im weltweiten Netz surfen kann, wird das nie wieder aufgeben wollen. Der Nutzer einer schnellen Datenverbindung wird daher auch niemals an einen neuen Wohnort umziehen, an dem er kein Glasfaserkabel zum Download umfangreicher Dateien wie beispielsweise Musik oder Spielfilmen vorfindet.

Daher war es zweifellos eine vorausschauende Politik des Rathauses, die Stadt Ulm möglichst flächendeckend mit entsprechender Infrastruktur und Breitbandleitungen auszustatten - die nach den Beteuerungen von Bürgermeister Gunter Czisch für alle namhaften Internet-Provider nutzbar sind.

Nun ist aber in der Branche der Eindruck entstanden, die Stadt nutze diese Infrastruktur, um ihre Tochter Telenet zu fördern und den Wettbewerb zu behindern. Der Satkom-Spezialist Level 421 erhebt diesen Vorwurf, weil die Stadt die Telenet außerdem mit dem Aufbau eines Funknetzes für City-Hotspots beauftragen wollte.

Firmenchef Markus Haut vermutet sogar, die Vormachtstellung der Telenet verhindere Investitionen in nötige Bandbreiten in Ulm. Czisch spricht von Verschwörungstheorien, muss die Vorwürfe jedoch ernst nehmen. Haut ist ein exzellenter Fachmann, der durchaus mal ein Bergwerk in Mosambik online bringt. Es sollte klar sein, ob das Netz in Ulm wirklich von Breitband auf Schmalspur umgepolt wird.