KOMMENTAR · HANDWERK: Warnsignal im dualen System

FRANK KÖNIG 05.10.2012

Weniger junge Leute, die wegen rückläufiger Geburtenzahlen zur Schule gehen, und ein zunehmender Trend zu höheren Abschlüssen. Da ist es klar, dass die Chancen des Handwerks, genügend Lehrlinge für eine duale Ausbildung im Betrieb zu bekommen, zurückgehen. Die Jugendlichen und ihre Eltern verbinden das Abitur und ein anschließendes Studium eben immer noch mit besseren Berufsaussichten und glänzenden Einkommen, obwohl dies durchaus nicht in allen Fällen zutrifft.

Aber das Handwerk leidet unter diesem Trend und kann ihm auch mit seiner bundesweiten Imagekampagne kaum entgegenwirken. Nun schlägt die Kammer in Ulm Alarm und warnt sogar vor einem Versorgungsnotstand.

Fast zehn Prozent weniger neue Lehrverträge bei der Handwerkskammer sind zweifelsohne ein Warnsignal, denn aus demographischer Sicht wird es nicht besser: Die IHK erwartet, dass die Zahl der Schulabgänger, die für eine Lehre in Frage kommen, bis 2030 um ein Drittel zurückgeht.

Für das Handwerk kommt es daher darauf an, sich moderner zu präsentieren, um die Zukunft der Betriebe zu sichern. Es liegt auch im allgemeinen Interesse, dass handwerkliche Arbeit verfügbar und Wartezeiten akzeptabel bleiben. Wer im Winter eine kaputte Heizung im Haus hat, braucht halt schnell einen Installateur. Es dürfte mit die beste Idee sein, das Potenzial bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund noch stärker zu erschließen.