KOMMENTAR · HANDWERK: Gute Lage, auch gute Perspektive?

FRANK KÖNIG 08.08.2012

Bei aller Unsicherheit über die industrielle Großwetterlage erweist sich das bodenständige Handwerk stets als stabiler Faktor. Natürlich können die vielfach kleineren Betriebe nicht das Beschäftigungsvolumen der Großunternehmen ersetzen. Aber sie stellen insgesamt zigtausende Arbeitsplätze bereit und können in Ulm nun vielleicht durchaus Metallfacharbeiter einstellen, die bei Iveco ihren Job verlieren.

Es dürfte allerdings kein großes Geheimnis sein, dass die gute Konjunktur vor allem im Bau- und Ausbaugewerbe nicht zuletzt mit den Euro-Ängsten zusammenhängt. Wer Geld auf der Bank liegen hat und nicht sicher ist, wie lange die Währung Bestand hat, steckt sein Erspartes in Immobilienprojekte - angefangen von der Sanierung des Eigenheims bis zu Neubauten. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage im baunahen Handwerk entwickelt, wenn diese Gelder erst einmal platziert sind.

Vielleicht ist diese Unsicherheit der Grund, dass die Betriebsinhaber bei der Einschätzung ihrer künftigen Lage vorsichtiger geworden sind. Es soll aber nach wie vor Handwerker in der Ausbaubranche geben, die ein Jahr komplett ausgelastet sind. Deren Kunden sind bestimmt froh, wenn der Auftragsdruck nachlässt und sie dann an die Reihe kommen.

Ungeachtet aller Erleichterung über die anhaltend gute Lage des Handwerks bleibt vor allem die Sorge, ob die Branche angesichts des demographischen Wandels in ein paar Jahren noch genügend Azubis findet.