KOMMENTAR · DONAUSCHIFFFAHRT: Das Doppel-Charme-Projekt

HANS-ULI THIERER 27.09.2012

Den Ulmern und Neu-Ulmern eilt der Ruf voraus, gleichermaßen aufgeschlossen wie experimentier- und spendierfreudig zu sein. Vor diesem Hintergrund wäre es doch gelacht, wenn die dümpelnde Donauschifffahrt nicht wieder flott zu kriegen wäre. Um so mehr, als dies ja auch im Sinne des Erfinders sein müsste, des Donaukapitäns Reinhold Kräß. Der wirkt zwar manchmal kauzig. Unter seiner rauen Schale aber hat er ein Herz am rechten Fleck, das höher schlagen müsste angesichts der Aussicht, dass wenigstens der "Ulmer Spatz" im nächsten Jahr wieder fahrtüchtig sein könnte.

Der Charme der Idee der Adis-Integrationsfirma der Lebenshilfe besteht zum einen darin, dass sie die brachliegende Donauschifffahrt wieder beleben würde; übrigens unter so schönen Mottofahrten wie "Schlauer Spatz" (schwimmendes Heimatkunde-Klassenzimmer), "Fest-Spatz" (für kleinere Feiern) oder "Kultur-Spatz" (klassische Sightseeing-Bootstouren). Zum anderen ist mindestens so bemerkens- und unterstützenswert der integrative Aspekt: Menschen mit und ohne Behinderungen treiben gemeinsam eine Schifffahrtsfirma um - auf einem so weit wie möglich barrierefrei umgebauten Schiff, versteht sich.

Eine derart überzeugende Inklusion, unterfüttert mit schlüssigem Geschäftsplan, der für den Betrieb eine schwarze Null nachweist, soll in einer boomenden Wirtschaftsregion an hunderttausend Euro scheitern? Das wäre ja gelacht.