KOMMENTAR · CITYBAHNHOF: Gut Ding will Weile haben

HANS-ULI THIERER 09.08.2012

Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden. Gut Ding will eben Weile haben. Alte Weisheiten, aktuell passend zum ersten herben Dämpfer für den Citybahnhof Ulm: Der Wettbewerb für Architekten und Stadtplaner, der erste konkrete Planungen zeitigen soll, verzögert sich um ein ganzes Jahr.

Darin spiegelt sich wider, auf welch heiklem Terrain sich die Stadt bewegt. Dies in mehrfacher Hinsicht. Nämlich wörtlich, weil der Untergrund nicht nur mit Blindgängern aus dem Krieg belastet ist, sondern er von den Strategen der Stadt und der Bahn offenbar vollkommen unterschätzte Risiken in sich birgt im Blick auf den Fortgang des Bahnbetriebs während der Bauzeit; im übertragenen Sinn dahin gehend, als sich die Verhandlungen über Grundstückskäufe als diffizil erweisen.

Indes sollte dieser Rückschlag nicht überbewertet werden. Angesichts anderer Großprojekte in der Umgebung des Bahnhofs - Sedelhöfe und Straßenbahnausbau - dürfte die Verschiebung öffentlich kaum wahrgenommen werden. Weshalb OB Ivo Gönner sie auch fast versteckt nur in einem besseren Nebensatz in der Schwörrede verkündet hat.

Ein wenig schmerzlich ist der Verzug freilich für den Vater des Vorhabens, den Baubürgermeister. Schließlich endet Alexander Wetzigs Amtszeit altersbedingt 2015, wenn er 68 wird. Er wird bis dahin nun noch weniger sehen von "seinem" Citybahnhof, der eben nicht an einem Tag erbaut werden kann.