KOMMENTAR · BÜRGERMEISTER: Mehr Professionalität

CHIRIN KOLB 24.06.2013

Auch wenn die breite Öffentlichkeit keine unmittelbaren Auswirkungen spüren wird: Die Neu-Ulmer Stadtverwaltung steht vor einer Weichenstellung. Die Frage, ob der OB-Stellvertreter künftig haupt- oder ehrenamtlich arbeitet, steht dabei nur an zweiter Stelle. Entscheidend ist vielmehr, ob der wichtige Fachbereich Schulen, Soziales, Kultur und Sport künftig wie alle anderen von einem Fachmann oder einer Fachfrau geleitet wird.

Die Anforderungen an eine Verwaltung werden größer, die Arbeit wird komplexer. Ohne den amtierenden oder früheren Bürgermeistern nahe zu treten: Da ist es nicht nachvollziehbar, die Leitung mit einem Außenstehenden zu besetzen. Denn so qualifiziert die Bürgermeister in ihren erlernten Berufen und als Persönlichkeiten auch sind, letztlich ist die Auswahl für ein solches Amt doch arg beschränkt, wenn nur der Pool der Stadträte zur Verfügung steht - ganz abgesehen davon, dass sich die Wahl des Bürgermeisters stets nach Parteienproporz richtet.

Eine solche Struktur ist nicht mehr zeitgemäß. Kein Unternehmen könnte sich das leisten. Um die Stadt nach außen zu vertreten, ist kein hauptamtlicher Bürgermeister nötig. Da kommt es viel mehr auf die Persönlichkeit an.

Dass es dennoch Widerstand gegen eine Änderung gibt, liegt am tief wurzelnden Misstrauen etlicher Stadträte der Verwaltung gegenüber. Es sollte in einer anderen Weise überwunden werden. Einer Professionalisierung darf es nicht im Weg stehen.