Leitartikel Frank König zum Vordringen der Systemgastronomie Kollision verschiedener Interessen

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Ulm / Frank König 24.08.2018

Ausgehen, sich abends mit Freunden treffen, etwas essen und trinken – das liegt zweifellos im Trend. Dies zeigt sich vermutlich auch heute nochmal zum Abschluss des nun dreiwöchigen Weinfests, dessen Riesenerfolg eng mit dem Freizeittrend verbunden ist. Das Fest hat sich längst von der Weinlese gelöst und ist eben ein Publikumsevent – auch in Konkurrenz zu umliegenden Lokalen.

In diesem Umfeld tut sich einiges, die Systemgastronomie ersetzt den Handel – wie der glänzend laufende neue „Barfüßer“ im früheren Modehaus Jung. Für Honer kommt in Kürze Vapiano, statt der Buchhandlung Herwig soll am nördlichen Münsterplatz der Burgergrill „Hans im Glück“ einziehen. Ein paar Häuser weiter hat Starbucks das Logo angeschraubt –  der weltweit vertretene amerikanische Kaffee-Anbieter ist eine der bemerkenswertesten Neuansiedlungen in Ulm.

Die zunehmende Konkurrenz, natürlich auch im eigenen Hause der Barfüßer-Gruppe, bekommt nun erwartungsgemäß der ein Stück weit angestaubte Ratskeller zu spüren. Es ist daher nur konsequent, dass Großgastronom Ebbo Riedmüller das Lokal neu aufstellen will. Die Stadtverwaltung hat an dieser Stelle genau die Finger drauf, so dass es bei bürgerlicher, schwäbischer Küche bleibt. Wie Riedmüller seine Speisekarte neu erfinden möchte, bleibt vorerst sein Geheimnis. Allerdings zeigt auch der Erfolg von modernen Lokalen der Gruppe wie dem soeben generalüberholten Q-Muh am Lautenberg, wie attraktive Gastronomie aussehen kann. Riedmüller muss also nicht weit gehen, um sich hausintern Inspirationen zu holen.

Eine gewisse Wegstrecke hat andererseits noch „Hans im Glück“ vor sich, denn eine massive Front aufgebrachter Anwohner steht dem Ansiedlungsvorhaben entgegen. Zur vielbeschworenen Urbanität gehört selbstverständlich auch, dass mehr Menschen die Stadt als ihr Wohnquartier entdecken, investieren und  nicht unbedingt morgens mit Hamburger-Bratduft aufwachen und abends damit zu Bett gehen wollen. Für die Stadtverwaltung muss es darum gehen, Interessen der Anwohner und des Eventpublikums sauber abzuwägen.

In diesem Kontext könnte auch ein Stadtbildgestalter mal am Münsterplatz vorbeischauen, wo zwischen Münster und Scholl-Gedenkstele ein drapiertes Baugerüst erneut eine trostlose Kulisse vor dem ansonsten netten Weinfest bietet –  sollen das Touristen fotografieren?

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