Legionellen in Ulm Klimaanlagen von jetzt an meldepflichtig

Ulm / Christoph Mayer 20.07.2018
Das tödliche Legionellen-Unglück in Ulm im Winter 2010 hat eine bundesweite Regelverschärfung zur Folge.

Viele Ulmer und Neu-Ulmer dürften sich lebhaft an den Januar 2010 erinnern. In den Tagen des zu warmen und neblig-trüben Jahreswechsels war die Zahl von Patienten mit schwerer Lungenentzündung im Stadtgebiet extrem angestiegen. Es dauerte nicht lange, bis man in Klinikum und Gesundheitsamt Alarm schlug: Die Krankheit stammte von Legionellen – stäbchenförmigen Bakterien, die, wenn man sie über die Luft einatmet, schwere gesundheitliche Schäden hervorrufen können.

Bis der Verursacher gefunden war, dauerte es Tage. Ein Helikopter überflog die Stadt, um von Dächern Aufnahmen zu machen – denn von Anfang an gab es den Verdacht, eine so genannte Nasskühlanlage auf dem Dach eines (Büro-)Gebäudes könnte die Legionellenschleuder sein. Was sich bewahrheiten sollte: Die Krankheitserreger stammten aus einer neuen, noch im Probebetrieb laufenden Verdunstungskühlanlage auf dem Dach des Ulmer Telekomgebäudes am Hauptbahnhof.

Todbringende Wolke

Wegen des milden Winterwetters hatten sich die Bakterien im lauwarmen Wasser der Klimaanlage rasant vermehrt und waren dann in einer Wolke über die Stadt gezogen. 64 Menschen erkrankten so schwer an Legionellose, das sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Fünf betagte oder an Vorerkrankungen leidende Patienten starben, 2016 forderte das Unglück noch ein weiteres spätes Opfer (wir berichteten).

Nach dem bis dato größten Legionellenausbruch in Deutschland war auf politischer Ebene viel diskutiert worden. Was tun, um solche Vorfälle künftig zu vermeiden? Dann kam es 2013 zum nächsten großen Ausbruch in Warstein mit 160 Erkrankten und drei Toten, Auslöser war diesmal ein Rückkühlwerk.

Jetzt hat der Gesetzgeber reagiert. Wie ein Sprecher des Bundesumweltministeriums auf Anfrage mitteilte, tritt „wegen der Vorfälle der vergangenen Jahre“ am Freitag bundesweit eine Regelverschärfung in Kraft. Kühlanlagen auf Dächern größerer Gebäude müssen behördlich gemeldet, ihr Nutzwasser regelmäßig untersucht werden. Falls dabei die zulässige Legionellenkonzentration überschritten werde, habe der Betreiber sofort die zuständige kommunale Behörde zu benachrichtigen.

Die Regelung gilt zwar ab Freitag. Gleichwohl muss der Meldepflicht nicht sofort, sondern binnen Vierwochenfrist nachgekommen werden: also bis 18. August. Formal regelt dies alles die „42. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes“. „Im Alltagssprachgebrauch heißt sie schlicht Legionellen-Verordnung“, so der Sprecher.

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