Ulm Kleine feine Wochenmärkte sind beliebt

Ulm / Carolin Stüwe 14.09.2018
In Stadt- und Ortsteilen wird der wohnortnahe Einkauf von Gemüse, Käse, Eiern und Wurst sehr geschätzt.

Kleine Wochenmärkte liegen im Trend. Die Kunden kommen zu Fuß, mit dem Rad oder auch mal mit dem Auto, wenn es schnell gehen muss. Sie können regionale Produkte kaufen, aber genauso Schinkenspezialitäten aus Südtirol. Eine kleine „Kostprobe“ aus Ulmer Stadt- und Ortsteilen.

„Freitagsabschleppen“ in Söflingen

Unter den Bäumen im Klosterhof stehen 18 Marktstände, wenn alle da sind. Den von Marktsprecher Manfred Storch findet man, indem man immer der Nase lang geht: Er betreibt eine Imbissbude und kommt am frühen Nachmittag kaum nach mit dem Würstchenwenden, Currywurstschneiden und Sprüche klopfen. Zur Entstehung des Wochenmarktes sagt er dann aber ernsthaft: „Wir sind im elften Jahr.“ Nach einem Bürgerbegehren habe der Gemeinderat dem Versuch zugestimmt. Der Markt bewährte sich und bietet nun Gemüse, Obst, Blumen, Fisch, Käse, Trockenfrüchte und im Mai sogar Spargel an. Das Ehepaar Ludwig ist Stammkunde und ist sich einig: „Unseren Wochenmarkt geben wir nicht mehr her.“ Marktbeschicker Heiner Moosmayer („Schmalzbauer“) aus Burgrieden-Rot, bringt Fleisch, Wurst, Eier und eigenen Eierlikör unter die Söflinger. „Nach unserer Stammkundschaft kann man die Uhr stellen.“ Und Berufstätige seien dankbar für die Öffnungszeit bis abends. Aber: Da der Markt bereits ab 12 Uhr aufgebaut wird und dann die sonst dort geparkten Autos verschwunden sein müssen, fordert SPD-Stadtrat Martin Ansbacher: Die Hinweisschilder auf den Wochenmarkt müssten dringend erneuert werden. „Dann könnte sicher auch das Freitagsabschleppen von Fahrzeugen eingedämmt werden.“ Der Söflinger Markt ist freitags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Oldie in Wiblingen

Der Wochenmarkt auf dem Tannenplatz ist der Oldie unter den kleinen Ulmer Märkten: Er besteht seit 1975. Marktbeschickerin Nadine Sattler ist zwar erst seit 2004 dabei mit Käse, eingelegten Antipasti und Südtiroler Schinkenspezialitäten, aber sie fühlt sich wohl zwischen den 15 anderen Händlern und Selbsterzeugern. Das Angebot ist ähnlich wie in Söflingen. Kundin Claudia Hartl (37) kommt zu Fuß mit dem Kinderwagen und ihrer neun Monate alten Tochter Annika zum Einkaufen. Sie legt Wert auf regionale Produkte und findet den Kartoffelstand „total gut“. Blumenhändler Markus Müller von „La Fleur und mehr“ klagt weniger über den Standort, sondern über die Situation allgemein:  „Die Menschen kaufen weniger Blumen.“ Deshalb hätten in den vergangenen Jahren 16 Blumengeschäfte rund um Ulm zugemacht. Die Supermärkte würden den Preis verderben mit ihren Billigsträußen. Der Wiblinger Wochenmarkt ist freitags von 9 bis 16 Uhr geöffnet.

Vertrautes Einkaufen in Einsingen

Eine Kundin steht am Metzgerwagen, eine andere am Eierstand. Plötzlich ruft die eine Frau zur anderen rüber: „Du musst mir helfen, ich habe meinen Geldbeutel vergessen.“ Man kennt sich, man hilft sich, man trifft sich wöchentlich – in diesem Fall auf dem Rathausplatz. „So ein Markt ist total persönlich“, findet auch Verkäuferin Jennifer Bosbach. Sie kommt extra aus Burlafingen mit ihrem Obst- und Gemüsestand. Seit dieser Woche gibt es nach langer Pause auch wieder einen Käsestand in Einsingen. Albert Heim (81) indes freut sich, „dass Einsingen endlich wieder einen Metzger hat.“ Jennifer Bosbach hat noch etwas beobachtet: Wochenmarktkunden haben meistens einen Korb oder eine Einkaufstasche dabei. Plastiktüten sind out – außer mal bei staubigen Kartoffeln. Der Einsinger Markt ist dienstags von 8 bis 12.30 Uhr geöffnet.

Drei-Stände-Markt in Gögglingen

„Es wäre schade, wenn unser Wochenmarkt nicht mehr da wäre“, sagt Kundin Elke Fekete zum kleinen Drei-Stände-Markt auf dem Gögglinger Rathausplatz Riedlen-Mitte. Als Verwaltungsangestellte im Rathaus weiß sie auch, dass eine Platzmiete samt Strom und Wasser bei 10 Euro liegt. Seit gut zehn Jahren werden dort Gemüse, Obst und Käse verkauft. Der Gögglinger Wochenmarkt ist immer donnerstags von 8 bis 12.30 Uhr geöffnet.

Verkaufsmobil in Unterweiler

Selbst ein einzelnes Verkaufsmobil wie auf dem Unterweiler Rathausplatz zahlt seine Standmiete. „Barni’s Lebensmittelservice“ kommt aus Illerrieden und bietet alles, was das Herz begehrt: Süßigkeiten, Fleisch, Wurst, Käse, Brot auf Bestellung, Milch, Nudeln, Konserven und sogar Reinigungsmittel. Das Unterweiler Verkaufsmobil ist dienstags von 15 bis 16 Uhr vor Ort.

In Neu-Ulm und Ulm gibt es außerdem diverse Hofmärkte und Hofläden.

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