Literatur Klaus Modick liest über Eduard von Keyserling

Der Autor Klaus Modick im Club Orange.
Der Autor Klaus Modick im Club Orange. © Foto: Otfried Käppeler
Ulm / Otfried Käppeler 17.04.2018

Lehrer für Deutsch und Geschichte wollte er werden. Nach dem Ersten Staatsexamen kam es anders. Er promovierte, schrieb nebenher für Zeitungen und Werbeagenturen. Letzteres sei für ihn als Schriftsteller hilfreich gewesen, denn Werbetexter müssen Dinge verkaufen, die einen selber nicht interessieren. Man lerne dabei, von sich selber abzusehen, sagte Klaus Modick. Er war im Rahmen der Reihe „Autor im Gespräch“ in der vh Ulm, wo er über sich und sein neues Buch „Keyserlings Geheimnis“ sprach und daraus auch las. Dagmar Engels und Wolfgang Niess moderierten den Abend, der von der Sparkasse Ulm und der Buchhandlung Hugendubel unterstützt wurde.

Klaus Modick wurde 1951 in Oldenburg geboren, wo er noch heute mit seiner Familie lebt. Man kann ihn als einen Leser-Autor bezeichnen, dem das Kunststück gelingt, gut lesbare Bücher mit ambitionierter  Stilistik zu schreiben. Sein neuer Roman ist dafür ein Beispiel. Eduard von Keyserling (1855–1918) gehörte zu den wichtigen Autoren seiner Zeit. Thomas Mann nannte ihn den „besseren Fontane“. Heute sind er und sein Werk weitgehend vergessen. Biografisches ist nur spärlich vorhanden, da Keyserling seinen Nachlass verbrennen ließ.

Ein „Dekonstrukteur der Konventionen, Klischees und Trivialität“ des baltischen Landadels sei Keyserling gewesen, sagte Modick. In dessen Studienzeit des Adeligen war etwas vorgefallen, was ihn zur Persona non grata machte. Deshalb ist er nach München gegangen. Was genau ihn dazu gebracht hat, ist ein von Keyserling gut gehütetes Geheimnis, dem sich Modicks Buch annähert.

In München hat sein Freund Lovis Corinth ein wenig schmeichelhaftes Porträt des von der Syphilis gezeichneten Keyserling  gemalt, über das der Porträtierte meinte: „Es mag gut gemalt sein . . . aber so aussehen möchte ich lieber doch nicht.“ Melancholie und (Selbst-)Ironie, beides steckt in dieser Aussage, die gleichsam für das Werk Keyserlings gilt.

Info Klaus Modick: Keyserlings Geheimnis. Verlag Kiepenheuer & Witsch, 240 Seiten, 20 Euro.

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