Benefizkonzert Klassikern neues Leben eingeblasen

Opulente Klangfüllle bot die Bläserphilharmonie der Stadt Blaustein bei ihrem Herbstkonzert in der Pauluskirche.
Opulente Klangfüllle bot die Bläserphilharmonie der Stadt Blaustein bei ihrem Herbstkonzert in der Pauluskirche. © Foto: Kessler
Günter Buhles 27.11.2017

Dass sich die Bläserphilharmonie der Nachbarstadt Blaustein gleichsam nahtlos in die reiche Blasorchestertradition Ulms einfügt, bewies das Orchester am Samstag bei seinem Konzert für die Aktion 100 000 und Ulmer helft in der Pauluskirche. Diese erstaunliche Tradition hat eine große Anzahl von Ensembles hervorgebracht, wobei die Gründung der Knabenmusik im Jahr 1961 und des 1919 aus Militärkapellen hervorgegangenen Philharmonischen Orchesters historische Eckpunkte waren.

Auch der Gewinn des Deutschen Orchesterwettbewerbs 2016 in Ulm durch die Blausteiner ist zu den markanten Punkten zu zählen. Im Herbstkonzert 2017 spielte die Bläserphilharmonie unter ihrem Leiter Manuel Epli vier Bearbeitungen klassischer Werke.

Mit hellen, reinen Trompeten begann das Arrangement des ostdeutschen Komponisten Siegmund Goldhammer zum Morgenlied aus Richard Wagners Oper „Lohengrin“. Es baute sich mit tiefen Bläsern in der typischen Weise des Bayreuthers allmählich auf, was bei einem reinen Bläserensemble natürlich besonders imposant wirkt. Die folgende Opernszene vom Aufzug der Heere entwickelte sich, abgefedert von den Holzbläsern, zu opulenter Fülle der Instrumentalfarben.

Zupackend und fetzig

Paul Hindemiths Sinfonische Metamorphosen von 1943 über Themen Webers folgten in der Blasorchesterversion von Keith Wilson, seines Studenten an der Yale University. Im maßvoll raschen Allegro mischten sich in den satten Klang quirlige Klarinetten und runde Saxophontöne, Waldhörner und Posaunen steigerten die Sache zum Abschluss mit Trommeln und Becken. Lyrisches Holz, von Röhrenglocken akzentuiert, begannen den auf Webers „Turandot“-Ouvertüre fußenden zweiten Satz, der – bald zügiger – pompös endete. Das Andantino bot schön kolorierte Melodiebögen von romantischem Flair und ein elegantes Flötensolo. Zupackend und fetzig endete die Aufführung im finalen Marsch, der nach dem zweiten Teil des Konzerts als Zugabe wiederholt wurde.

Mit 20 „Fantasy Variations“ des US-Komponisten James Barnes auf die Solo-Capricci Paganinis ging’s nach der Pause weiter. Raffiniert und geistreich ziehen wundersame Kombinationen vorbei, etwa Posaunen-Glissandi über abgrundtiefen Kantilenen der Tuba, übrigens Barnes` eigenes Fach als Instrumentalist. Man kann sagen, dass die im zweiten Teil des Konzerts gehörten Orchestersätze der etwas jüngeren Arrangeure gelungener und effektvoller sind. So hat sich der Japaner Yo Goto, Jahrgang 1958, für seine Nussknacker-Fantasie nach Tschaikowski eine kurzweilige Dramaturgie ausgedacht.  Großer Beifall am Ende.

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