Kirche Kirche setzt Gegenakzente in der Debatte um Rassismus

Ulm / Verena Schühly 05.09.2018

„Wir lassen uns nicht anstecken und schalten nicht auf einen Hass- und Wut-Modus, sondern wir argumentieren sachlich und vertrauen auf die Kraft des Verstands.“ Der evangelische Dekan Ernst-Wilhelm Gohl hat eine klare Haltung in der aktuellen Debatte um Rassismus. Nach den Hakenkreuz-Schmierereien und AfD-Parolen im Münster reagiert die evangelische Gesamtkirchengemeinde Ulm nun mit einer Veranstaltung: Am Sonntag, 16. September, 18 Uhr, spricht Dr. Michael Blume, Antisemitismus-Beauftragter von  Baden-Württemberg, über „Sterne, Kreuze, Hakenkreuze – Warum Antisemiten alle Religionen attackieren“ im Haus der Begegnung.

Mitveranstalter sind der Rat der Religionen Ulm und die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Ulm/Neu-Ulm (ACK). Bürgermeisterin Iris Mann wird ein Grußwort sprechen.

Ernst-Wilhelm Gohl hat eigene Erfahrungen in der aktuellen Debatte mit der Facebook-Seite  der Bundesvereinigung „Christen in der AfD“. Der Dekan war dort aktiv, um Rechtspopulisten nicht das Feld zu überlassen. „Es geht darum, Gegenakzente zu setzen. Erfahrungen zeigen, dass die Beiträge von vielen Menschen gelesen werden, auch wenn sie sie nicht kommentieren.“

Sachliche Gegenargumente

Gohl hatte in seinen Beiträgen mit Fakten argumentiert gegen Aussagen wie „Dietrich Bonhoeffer würde heute AfD wählen“, gegen eine Verurteilung von Homosexualität und Abtreibung, gegen eine Abwertung von Gender-Themen und gegen eine Vereinnahmung der Weißen Rose durch die AfD. Die Folge: Er wurde Ende Juli zum zweiten Mal gesperrt, kann also keine weiteren Kommentare posten. Auch wurden Kommentare mit positiven Äußerungen zu Gohl gelöscht.

Der Dekan hat sich daraufhin an Daniel Rottmann gewandt, den AfD-Landtagsabgeordneten für Ulm. Dieser erkennt in seiner Antwort an, dass Gohls Beiträge sachlich waren, was auch der Bundesvorsitzende der Christen in der AfD so sehe. Dennoch halten die Administratoren der Facebook-Seite an der Sperrung fest. Rottmann erklärt das damit, dass es auf der Seite darum gehe, ein Profil darzustellen und nicht Meinungen zu diskutieren.

Für Ernst-Wilhelm Gohl ist das Stimmungsmache: „Es sind nur gefällige Kommentare erwünscht. Dabei ist Dialog wichtig: Man muss aushalten, dass jemand eine andere Meinung hat. Was hier passiert, ist ein Rückschritt.“

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