Neu-Ulm Kinderstiftung zieht Bilanz nach dem zweitem Jahr

Neu-Ulm / CHRISTINE LIEBHARDT 02.11.2015
Die Kinderstiftung Ulm/Donau-Iller hat das erste operative Jahr hinter sich. Gefördert wurden Einzelfälle und Projekte. Im Februar starten die "Grünfinder", durch die Kinder ihr Lebensumfeld entdecken sollen.

Da ist der 12-Jährige, der sich bis jetzt eine Matratze mit seinem acht Jahre alten Bruder geteilt hat, die so zerschlissen ist, dass sie nicht mehr benutzt werden kann. Da ist der 14-Jährige, der auf hohem Niveau im Verein kickt, dessen Eltern sich aber die Fußballschuhe nicht leisten können, weil er unterschiedlich große Füße hat und deshalb zwei Paar bräuchte: eines in 38, eines in 41. Da sind die vielen Schüler mit Migrationshintergrund, die nicht nur Nachhilfe brauchen, sondern auch jemanden, der sie in ihrer Persönlichkeit fördert: Die Kinderstiftung Ulm/Donau-Iller hilft in all den Fällen, in denen Familien durch Lücken im System staatlicher Hilfen fallen.

Seit zwei Jahren gibt es die Stiftung, die zum einen Projekte fördert, zum anderen in Einzelfällen hilft. Jetzt hat sie ihr erstes operatives Jahr abgeschlossen. Die Bilanz listet Mathias Abel, Kuratoriumsmitglied und Geschäftsführer der Caritas Günzburg/Neu-Ulm, auf: Die Mittel für die Einzelfallhilfe sind dieses Jahr fast aufgebraucht, seit November vergangenen Jahres wurden von 117 Anträgen 83 bewilligt, Fördersumme: rund 22.000 Euro. Außerdem wurden 17 von 19 beantragten Projekten mit 64.000 Euro gefördert. Sie waren vor allem in den Bereichen kulturelle Entwicklung und Freizeitgestaltung sowie Bildung und Schule angesiedelt. Beispiel Lernpaten: Je ein Erwachsener hilft einmal die Woche einem Kind oder Jugendlichen mit dem Schulstoff, geht mit ihm zum Fußball oder in die Bücherei.

Die Stifter der rund vier Millionen Euro wollen anonym bleiben, ein Kuratorium regelt das Tagesgeschäft. Das Kapital, darauf legt Stiftervertreter Jörg Waiblinger großen Wert, soll kein Ersatz für öffentliche Töpfe sein. "Es geht nicht nur um das Geld, sondern auch darum, einen Fundus an Knowhow anzusammeln, von dem alle profitieren" - Schulen, Vereine, Betriebe.

Im neuen Jahr soll es neben vielen Kooperationen auch erstmals ein eigenes Projekt der Stiftung geben, die "Grünfinder". Starten soll es an zwei Grundschulen in Vierteln, in denen viele benachteiligte Kinder leben. Denn: "Armut ist mehr, als wenig Geld haben", sagt Alexandra Stork, Geschäftsführerin der Kinderstiftung. Wichtig seien nicht so sehr einzelne Höhepunkte, sondern ein förderlicher Alltag.

Die "Grünfinder" sollen ihr direktes Lebensumfeld entdecken und vor der Haustür Natur erleben, im Wald und auf der Straße spielen, erfahren, wo es schön ist und wo nicht - und all das an die Verantwortlichen der Gemeinden weitergeben, mit dem Bürgermeister diskutieren: "Die Kinder sollen sich als wirksam erleben und sagen können, was ihnen nicht gefällt", erklärt Stork. Die Gruppen sollen mit Schulen, Betrieben, Imkern und Förstern kooperieren: "Es geht nicht um Betreuung, sondern um Lebensqualität."

Info Die Kinderstiftung Ulm/Donau-Iller sucht Schulen, die beim Projekt "Grünfinder" mitmachen wollen, und ehrenamtliche Lernpaten. Kontakt (auch Spenden): Annabelle Graulle, Tel. (0731) 20 63 18, E-Mail: graulle@kinderstiftung-ulmdonauiller.de.

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