Soziales Steigende Nachfrage für Kinderbetreuung daheim

„Den Kindern bleibe ich treu.“: Iris Weber (links) liebt ihre Arbeit als Kinderfrau, die ihr der Tagesmütterverein Ulm ermöglicht. Tanja Bruder ist dort für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.
„Den Kindern bleibe ich treu.“: Iris Weber (links) liebt ihre Arbeit als Kinderfrau, die ihr der Tagesmütterverein Ulm ermöglicht. Tanja Bruder ist dort für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. © Foto: Matthias Kessler
Beate Rose 26.10.2017
Das Plus des Tagesmüttervereins ist Kinderpflege in familienähnlicher Atmosphäre. Immer öfter fragen Familien an, die ihre Kinder daheim betreut haben wollen.

Kinder waren nie groß ein Thema im Leben von Iris Weber. Zu sehr war sie auf ihr berufliches Vorankommen bedacht. Doch ihr Berufsleben im Personalwesen endete unschön, sie will darüber nicht weiter sprechen. Daheimbleiben war jedenfalls nicht ihre Sache. Etwas völlig anderes wollte sie tun als im Büro zu sitzen. „Ich wusste, entweder mache ich etwas mit älteren Menschen oder mit Kindern.“ Dann sah sie eine Anzeige des Ulmer Tagesmüttervereins. Iris Weber rief an, belegte einen Qualifizierungskurs für die Kindertagespflege und arbeitet seither als Kinderfrau. Das ist mittlerweile fünf Jahre her. Weber ist heute 53 Jahre alt und sagt: „Von den Kindern werde ich so belohnt. Denen bleibe ich treu.“

Sich geborgen fühlen

Den Tagesmütterverein gibt es in Ulm seit 1993, seit 1996 in Kooperation mit der Stadt Ulm. Wolfgang Reck, stellvertretender Leiter der Abteilung Kinderbetreuung bei der Stadt Ulm, sieht den Tagesmütterverein als „wichtigen Partner in der Kinderbetreuung“. Die Kindertagespflege habe ihre Vorteile. Bei diesem „familienähnlichen Angebot“ könnten Kinder sich anders geborgen fühlen als in einer Kita, formuliert er. Zudem können Tagesmütter flexibel auf die Betreuungswünsche der Eltern eingehen. Alles Gründe, weswegen kürzlich der Ulmer Gemeinderat die neue Fördervereinbarung mit dem Tagesmütterverein ohne große Diskussion durchgewunken hat. Die Vereinbarung sieht vor, dass der Zuschuss in Höhe von 175 000 Euro pro Jahr erhalten bleibt, doch für 2016 und 2017 Ausgleichszahlungen in Höhe von 3500 Euro hinzukommen.

Neu beim Tagesmütterverein ist, dass vor allem Kinderfrauen gesucht werden, sagt Tanja Bruder, im Verein für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Wir bekommen laufend Anfragen von Familien. Dabei sind unsere Kinderfrauen aus dem letzten Qualifizierungskurs alle weg“, sagt sie. Die 70 Tagespflegekräfte und 225 Tageskinder des Ulmer Vereins teilen sich so auf: 17 Kinderfrauen betreuen 38 Kinder, 32 Tagesmütter und ein -vater kümmern sich um 130 Kinder und 21 Frauen, die Tagespflege in anderen geeigneten Räumen anbieten, wie es amtlich heißt, sorgen für 57 Kinder.

Bevor Weber als Kinderfrau arbeiten konnte, absolvierte sie einen Qualifizierungskurs, der 160 Stunden umfasst. Als zu aufwändig habe sie den nicht empfunden. Im Gegenteil. Ob der Vortrag vom Jugendamt oder der Erste-Hilfe-Kurs – „das war alles interessant“. Als sie ihr Zertifikat in den Händen hielt, „da war ich so stolz“.

Kinderfrau wollte sie sein, nicht Tagesmutter, denn als Kinderfrau kommt sie fürs Arbeiten ins Haus. Das ist ihr wichtig. Mit der Arbeit ging es gleich los. Ein Paar in Söflingen suchte für ihre damals fünf- und siebenjährigen Kinder Betreuung. Kinderfrau, das hört sich nach einer Arbeitsstelle in einem hochwohlgeborenen Haushalt an. „Ach was, das sind alles ganz normale Leute“, sagt Weber. Die Kinder des Paares aus Söflingen sind mittlerweile der Betreuung entwachsen, dennoch halten alle zueinander noch Kontakt.

Mittlerweile betreut sie die Kinder von zwei Familien auf dem Michelsberg. Alle wohnen in Häusern mit Gärten, was Weber insofern wichtig ist, dass die Kinder ohne großen Aufwand ins Grüne können. In einer der Familien ist ein zweites Kind geboren worden. „Da bin ich sogar in die Babypflege reingewachsen.“ Ansonsten gehört zu ihren Aufgaben, die älteren Kinder von der Schule abzuholen, dann wird Mittag gegessen, dass sie jedoch nicht kocht. Stattdessen bastelt sie mit den Kindern, spielt, fährt sie ins Schwimmbad oder zum Sportverein. Dabei erlebe sie lustige Dinge, wie neulich die Fahrt mit ihrem Cabrio bei schönstem Herbstwetter. Weber machte das Radio an, die Kinder auf dem Rücksitz hoben ihre Hände in die Luft, sangen laut. „Ich hab’ so ein Glück“, sagt sie über ihre Arbeit.

Zuschuss der Stadt und Kursbeginn

Geld Die Stadt Ulm bezuschusst die Tagespflege für Kinder bis 14 Jahre.  4,50 Euro gibt es für Kinder über drei Jahre, 5,50 Euro für Kinder unter drei, 11 Euro für Kinder unter einem Jahr. „Eltern dürfen gerne mehr geben“, sagt Wolfgang Reck von der Stadt. Der Stundenlohn ist Verhandlungssache.

Qualifizierung Wer als Tagespflegekraft arbeiten will, muss einen Kurs absolvieren. Der nächste geht vom 13. bis 24. November und beinhaltet 30 Unterrichtsstunden. Insgesamt müssen 160 Kursstunden geleistet werden (Kosten: 50 Euro). Kontakt Tagesmütterverein: Tel. (0731) 602 33 76.