Landesgartenschau Landesgartenschau: Keine Blümchenausstellung

Die Grünanlagen mit Fuß- und Radwegen entlang der B 10 bedürfen dringend einer Aufwertung.
Die Grünanlagen mit Fuß- und Radwegen entlang der B 10 bedürfen dringend einer Aufwertung. © Foto: Martina Dach
Ulm / Hans-Uli Mayer 27.11.2017
Zwei Dutzend Interessierte informieren sich am Samstag bei einem Rundgang über die ersten Ideen der Stadt und des Planungsbüros Senner.

Eines soll die Landesgartenschau 2030 auf keinen Fall werden, so sie es denn geben wird: „eine reine Blümchenschau“, wie Landschaftsarchitekt Johann Senner vom planenden Büro Planstatt Senner  am Samstag vor gut zwei Dutzend Interessierten sagte. Die Stadt hatte in den etwas abseits liegenden Böblinger Turm bei der Blauringhalle geladen und die ersten Pläne vorgestellt, mit denen sie sich noch im Dezember bewerben will.

Die Wahl des Ortes konnte derweil wirklich als Programm verstanden wissen. Denn die Stadtverwaltung will mit den Mitteln der Landesgartenschau auch einen „ungeheuren Schatz“ in der Stadt bergen und entlang der westlichen Glacisanlagen von der Wilhelmsburg an der B 10 entlang und den Ehinger Anlagen bis zur Donau einen durchgehenden Grünstreifen errichten, wie Baubürgermeister Tim von Winning sagte. Die Zeit drängt, in zwei Wochen ist Bewerbungsschluss, im Sommer wird wohl entschieden, und dann erst beginnt die richtige Arbeit.

Viel Lob für die Grundidee

Neben einigen Anwohnern waren auch Vereinsvertreter anwesend wie etwa vom Förderverein Bundesfestung, vom Naturschutzbund, vom Verein Dialog Grün, dem Verein Übermorgen vom Fort Albeck oder eine Vertreterin des Urban Gardening in unmittelbarer Nähe zum Böblinger Turm. So sehr die Idee und das grobe Konzept von den Anwesenden gelobt und für gut befunden wurde, mahnte der Vertreter der Bundesfestung an, maßvoll und sensibel mit der historischen Bausubstanz umzugehen.

Tatsächlich stellt sich beispielsweise die Frage, wie ein vernünftiger Lärmschutz entlang der B 10 zu gewährleisten ist, ohne die dort beispielsweise im Bereich des Schubart-Gymnasiums vorhandenen historischen Glacisgemäuer zu beschädigen. Gleiches gilt für den Wall an der Ehinger Anlage, die zwar eine schöne Park­anlage sei mit viel Grün, wegen der hohen Lärmbelästigung durch die Stadtautobahn aber viel zu wenig genutzt werde.

Abzuwägen bleibt auch, welche Eingriffe notwendig sind, um etwa den Graben von der Kienlesbergstraße hoch entlang der Prittwitzstraße bis zur Wilhelmsburg für die Allgemeinheit zu öffnen. Den Landschaftsarchitekten schwebt hierfür eine wie auch immer geartete Personenbeförderung vor. Ob mit einem Schrägaufzug oder einem Laufband – Ideen gäbe es genug, den Weg zur Wilhelmsburg zu erleichtern, die schließlich mit ihrem Innenhof und auch der Aussichtsterrasse auf die Stadt ein Schwerpunkt der Gartenschau sein soll.

Knackpunkt Verkehr

Knackpunkte sind sicherlich die beiden Großkreuzungen mit den alten Gemäuern am Ehinger und am Blaubeurer Tor, an denen der Autoverkehr alles in den Hintergrund dränge. Senner ist sich aber sicher, dass sich im Bereich der Mobilität in den 13 Jahren bis zur möglichen Gartenschau im Jahr 2030 noch vieles verändern werde und ganz andere Überlegungen angestellt werden könnten. Detaillierter wurde er nicht, sagte aber, es gebe genug Beispiele kreativer und moderner Verkehrsplanung, wozu es nur mehr Mut bedürfe.

Senner plädierte für einen grundlegenden Paradigmenwechsel entlang der Achse. Geschaffen durch die Militäranlage wurde sie später zu einer Verkehrsachse quer durch die Stadt ausgebaut. Jetzt, so der Landschaftsarchitekt, bestehe die Chance, sie wieder als Lebensraum nutzbar zu machen.

Die Landschaftsarchitekten von Planstatt Senner

Philosophie Die Planstatt Senner für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung sitzt in Überlingen und hat überdies Büros in Stuttgart und München. Sie ist zunächst mit der Erstellung der Bewerbungsunterlagen beauftragt und soll den Prozess der Landesgartenschau 2030 für die Stadt Ulm begleiten.

Chancen Büroinhaber Johann Senner schätzt die Chancen für die Bewerbung gut ein, weil Ulm weg will von einer „reinen Blümchenschau“ und hin zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Außerdem liege das Zielgebiet nicht an der Peripherie, sondern mitten in der Stadt, wodurch viele Bürger ganz unmittelbar einen Mehrwert hätten.

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