Kunststiftung Pro Arte Kein Geld mehr für die Kunst?

Eigentlich hätte der Kunstpfad an der Universität Zuwachs bekommen sollen, doch es fehlt das Geld.
Eigentlich hätte der Kunstpfad an der Universität Zuwachs bekommen sollen, doch es fehlt das Geld. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Von Lena Grundhuber 26.07.2018

Erhart Gross versucht es jetzt bei der Stadt. Einen Antrag auf institutionelle Förderung will der Vorsitzende der Ulmer Kunststiftung Pro Arte stellen, für die Künstlerstipendien, die Pro Arte alle zwei Jahre vergibt. „Sonst können wir uns die irgendwann nicht mehr leisten.“ Schon länger ächzt die Stiftung unter der Niedrigzinspolitik und finanziert sich aus den freien Rücklagen. Denn von der Stadt gibt es bislang keine Förderung für die Stiftung, wie Gross sagt – und Sponsoren oder Spender? „Keine Chance“.

Früher hätten Unternehmen großzügig den Skulpturenpfad an der Universität unterstützt, erzählt er. Doch diese Zeiten seien vorbei. Und so scheiterte auch das Vorhaben, den Pfad zum 50-Jährigen der Universität Ulm um zwei neue Objekte zu erweitern am Geldmangel.

Nicht alle haben so drückende Probleme wie Pro Arte. Denn es gebe ja durchaus Unternehmen, die sich über Jahrzehnte hinweg für die Kunst engagieren, sagt Stefanie Dathe, Chefin des Museums Ulm; sie nennt die Sparkasse Ulm, die Wieland-Werke und die BW-Bank als Beispiele. Doch für einzelne Projekte Geld zu bekommen, sei schwieriger, meint sie und formuliert den Eindruck, den manche teilen: „Man fördert lieber Sport und weniger Kultur.“

Vielen sei vielleicht gar nicht klar, welche gesellschaftliche Rolle so ein Museum habe, sagt sie. Doch um dies potenziellen Geldgebern gegenüber deutlicher herauszustreichen, brauche man Kapazitäten: „Andere Häuser gönnen sich Personen, die nur Fundraising betreiben“, sagt die Ulmer Museumschefin, also externe Berater, die darauf spezialisiert sind. Hätte sie eine solche Unterstützung von außen, dann wäre bei der diesjährigen Triennale Ulmer Kunst womöglich wieder ein Publikumspreis vergeben worden. So aber war man zu spät dran, um noch einen Sponsor zu finden, wie sie einräumt.

Stefanie Dathe spricht einen wichtigen Punkt an: Insbesondere Kultursponsoring funktioniere eben dann, wenn ein Unternehmen sich mit einer Kultureinrichtung identifiziere: „Das läuft lokal“ – über die regionale Verwurzelung von Unternehmen also, die sich in Zeiten der Globalisierung jedoch löst.

Das zeigt sich auch an anderer Stelle: So sind durch den Verkauf von Ratiopharm an den Konzern Teva zwar Kunstwerke aus der Sammlung Ratiopharm/Merckle in den Besitz der Teva übergegangen. „Ankäufe oder weitere Aktivitäten in Sachen Kunst gibt es jedoch von Seiten des Unternehmens Teva nicht“, heißt es dort auf Anfrage. Und wo die ältere Generation von Sammlern noch von Künstlern aus der Region gekauft habe, sagt Reiner Schlecker vom BBK, könne man bei Jüngeren davon nicht ausgehen.

Angemessenes Verhältnis

Auf das Thema Regionalität kommt auch Ulms Kulturbürgermeisterin Iris Mann zu sprechen, die etwa auf das Engagement der Firma Braun-Steine in Amstetten verwiesen wissen möchte. Solche Verbundenheit greife noch, sagt auch Ralph Seiffert, Kulturfachbereichsleiter in Neu-Ulm, indes: „Früher waren auch größere Konzerne regionaler aufgestellt.“ Sponsoren zu finden, gelinge zwar noch immer, doch werde es schwieriger. Dazu komme, dass die Compliance-Regeln für Unternehmen strenger geworden seien: „Vielleicht ist das manchen dann zu viel Aufwand.“ Ohnehin fehle – auf beiden Seiten – oft das Bewusstsein, dass es sich bei Sponsoring anders als bei der Spende um ein Verhältnis von Leistung und Gegenleistung handelt, das in einem angemessenen Verhältnis stehen müsse, sagt Martin Leibinger von der Griesbadgalerie: „Ein Sponsor ist nur sinnvoll, wenn es zu dem passt, was man machen will.“ Was wiederum umso leichter ist, je näher man aneinander dran ist.

Womit wir zurück beim Thema sind: dem Sponsor oder Spender vor Ort. Von einem „richtigen Glücksfall“ in dieser Hinsicht kann Helga Gutbrod erzählen. Der Neu-Ulmer Werner Schneider spende ihrem Edwin-Scharff-Museum über seine Kunststiftung jährlich einen Betrag, um Kunst einzukaufen, der in gleicher Weise auch dem Museum Ulm zukommt. Das sei mehr, als sie durch den städtischen Ankaufsetat habe, sagt die Museumsdirektorin. „Das ist alles andere als selbstverständlich.“

Sponsor, Spender und Mäzen

Unter Sponsoring versteht man eine Förderung mit der Erwartung, eine Gegenleistung zu erhalten. Sponsoring wird zu dem Zweck betrieben, auf das eigene Unternehmen aufmerksam zu machen. Der Gesponserte bietet dafür eine Reihe von konkret definierten Leistungen an. Anders als beim Mäzenatentum, das keine konkrete Gegenleistung erwartet, oder bei Spenden an gemeinnützige Organisationen, die steuerlich geltend gemacht werden können.

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