Absage Kein „Ulmer Oratorium“ zum Münsterturm-Fest

Ulm / HANS-ULI THIERER 05.03.2015
Das „Ulmer Oratorium“, das zu den Feierlichkeiten 125 Jahre Ulmer Münsterturm komponiert werden und 29. und 30. Mai auf dem Münsterplatz durch 500 Musiker und Sänger aus Ulmer Ensembles aufgeführt werden sollte, ist abgeblasen. Die Stadt Ulm löst den Vertrag mit dem Komponisten Marios Joannou Elia. Mit Update: Infos für Kartenbesitzer.
Formaljuristische Begründung: Die Stadt tritt vom Vertrag zurück und macht Verzug geltend. Oberbürgermeister Ivo Gönner bestätigte gegenüber der SÜDWEST PRESSE die Entscheidung. Er hat sie im Benehmen mit dem musikalisch Gesamtverantwortlichen für die Aufführung des Oratoriums, Münsterkantor Friedemann Johannes Wieland, und dem technischer Leiter, dem Operndirektor am Ulmer Theater Matthias Kaiser,  getroffen.
 
Hinter der Entscheidung stecken monatelang schwelende Querelen und Konflikte zwischen dem Komponisten und den musikalischen Leitern der beteiligten Ulmer Orchester und Chöre. Immer wieder war zu hören, der aus Zypern stammende Komponist Elia, der künstlerischer Direktor der Kulturhauptstadt Europas 2017 Paphos (seiner Heimatsstadt) ist, arbeite an einem Werk, das in der für Ulm  vorgesehenen  Besetzung mit Profi- und Laienensembles kaum spielbar sei. Gönner sagte, nachdem jetzt knapp zwölf Wochen vor der Ur-Aufführung noch keine vollständigen Partituren und kein schlüssiges Libretto vorlägen, habe man „die Notbremse ziehen müssen“.
 
Elia zeigte sich in einer ersten Reaktion  darüber vollkommen überrascht. Der Komponist sagte am Mittag, ihm lägen noch keine Informationen über den Ausstieg der Stadt Ulm vor. Er sei zu jeder Zeit kooperationsbereit und zu  Änderungen an seinem Werk bereit gewesen.
 
Offen ist, was nun am 29. Und 30. Mai, den beiden Tagen vor dem 125. Jahrestag der Vollendung des Münsterturmes, auf dem Münsterplatz passieren soll. Als wahrscheinlich gilt,  dass es  statt der Premiere des Oratoriums, die samt Komposition und technischem Aufwand für Bühne, Ton, Technik, Licht und  Sicherheit eine halbe Million Euro teuer geworden wäre, nun zu einem Gemeinschaftskonzert mit einem populären Klassikerstück kommt. 

UPDATE: Karten können nach den Worten OB Gönners ab sofort dort zurückgegeben werden, wo sie erworben worden sind. Der Oberbürgermeister empfiehlt Kartenbesitzern aber, sich noch so lange zu gedulden, bis klar ist, ob es zu Alternativaufführungen am 29. Und 30 Mai kommt und ob die Tickets dafür ihre Gültigkeit bewahren. 

 
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