Ulm Kegeln begleitet sie durchs Leben

Ulm / BEATE STORZ 31.12.2013
50 Jahre alt ist der Kegelclub "dTrieler". Die zehn Mitglieder, alle im Rentenalter, erlebten die Hochphase des Kegelns in den 60er und 70er Jahren und den Niedergang mit. Sie aber blieben ihrer Passion treu.

Es gibt sie tatsächlich noch, die Kegler-Cliquen. Es ist eine vom Aussterben bedrohte Spezies, ein Relikt aus den 60er und 70er Jahren, als alle Welt sich zum Kegeln traf, als in jedem Gasthaus-Nebenzimmer eine Kegelbahn installiert war. Heute sind die Kegelbahnen weg, die Gasthäuser haben keine Nebenzimmer mehr und die Kegelvereine haben sich längst aufgelöst, teilweise aus rein biologischen Gründen. Alle? Nein, die Ulmer Kegler vom "Kegelclub d"Trieler" sind aktiv wie je. Sie sind grau geworden, sie sind im Rentenalter, sie rauchen nicht mehr und alles geht ein bisschen langsamer als früher. Auch das Kegeln. Aber es geht noch. Und wie!

Wie kam es zum Kegelclub d"Trieler? So, wie es zu den meisten Kegelfreundschaften kam: Kollegen trafen sich nach Feierabend. Hier waren es Kollegen der Münsterbrauerei. Die gibt es auch nicht mehr, zumindest nicht in Ulm (gebraut wird in Memmingen). Der eine war Bierführer, die andere saß im Büro, der dritte war Brauer. Drei von der ursprünglichen Belegung aus dem Gründungsjahr 1964 sind übrig geblieben. Walter Frohnmüller ist Vorsitzender, seine Ehefrau Anneliese ist noch dabei, ebenso wie Heinz Moosherr. Der erste Treffpunkt war im Scala-Kino (gibt"s nicht mehr) an der Bismarckstraße (gibt"s auch nicht mehr), wo im Keller sechs Kegelbahnen installiert waren.

Den Abstieg ihrer Lieblingsfreizeitbeschäftigung haben d"Trieler hautnah mitbekommen. Eine Kegelbahn um die andere wurde stillgelegt, d"Trieler waren ständig auf der Suche nach neuen Orten, wo sie noch alle Neune umwerfen konnten. Nun sind die lustigen zehn Rentner, alle zwischen 70 und 80 Jahre alt, im Wiblinger Sozialzentrum gelandet. Alle zwei Wochen, jeweils am Sonntagnachmittag, treffen sie sich, plaudern und halten ihre Tradition hoch. Zu Weihnachten wird im Rössle in Ermingen die Gans verzehrt, und wenn genügend Geld in der Vereinskasse ist, gönnt sich die Kegel-Clique einen Ausflug, sogar bis nach Mallorca.

Dazu muss man wissen, dass es beim Kegeln Geldstrafen gibt, mit denen die Vereinskasse gefüllt wird: "Pumpen", "Klingel" und "verpasster Einsatz" kosten je nach Finanzlage der Mitglieder einen bestimmten Betrag, was die Kegelkasse mit der Zeit dick und fett werden lässt.

Populär wurde das Kegeln vor rund 200 Jahren, und damals war es berüchtigt. Denn mit dem Spiel einher gingen Saufgelage, Wetten, Betrügereien und Gewalt. Seriös wurde es Ende des 19. Jahrhunderts, und langsam entwickelte sich die Freizeitbeschäftigung zum anerkannten Sport (erste Deutsche Meisterschaften 1891). Gegen Ende des 20. Jahrhunderts es bergab, kegeln war out. Der Deutsche Kegelbund spricht immerhin von 21 Millionen Deutschen, die heute noch kegeln würden, vier Millionen regelmäßig.

In Ulm und Neu-Ulm sowie im Umland gibt es nach wie vor Kegelbahnen, und so mancher Verein kegelt auch noch um Pokale. Aber es sind weniger geworden. D"Trieler lassen es ruhiger angehen. "Um Pokale kegeln wir schon lange nicht mehr", sagt Walter Frohnmüller. "Spaß soll es machen, gesellig sein. Wir freuen uns, dass wir noch regelmäßig zusammen sind."