Theater Kay Metzger wird 2018 Intendant am Theater Ulm

Der künftige Intendant Kay Metzger bedankt sich für die Wahl, Oberbürgermeister Gunter Czisch gratuliert.
Der künftige Intendant Kay Metzger bedankt sich für die Wahl, Oberbürgermeister Gunter Czisch gratuliert. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Magdi Aboul-Kheir 14.12.2016

Auch wenn der große Sitzungssaal im Rathaus kein Theater ist: Am Mittwochnachmittag um 16.50 Uhr brandete Applaus auf. Denn da verkündete der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch, wer von 2018 an als Andreas von Studnitz’ Nachfolger Intendant am Theater Ulm wird: Kay Metzger, derzeit Intendant am Landestheater Detmold.

Beifall also im Rathaus, und tätsächlich war es dort am Mittwoch ja wie auf einer Bühne. Denn zwei Kandidaten und eine Kandidatin hatten sich präsentiert: außer Metzger noch Matthias Fontheim, von 2006 bis 2014 Intendant am Staatstheater Mainz, und Nicola May, Intendantin am Theater Baden-Baden.

In der nichtöffentlichen Abstimmung entfielen dem Vernehmen nach schließlich 19 Stimmen auf Metzger, Fontheim erhielt zehn, May neun Stimmen.

Der 56-jährige Metzger hatte die Mehrheit mit einem gewinnenden, lebendigen, durchdachten Vortrag überzeugt. Dabei punktete er wohl auch mit durchaus ehrgeizigen Ankündigungen. Etwa damit, „80 Prozent plus X Auslastung“ erreichen zu wollen. Oder damit, das Ulmer Haus wieder zu einem „Entdecker-Theater“ von Talenten machen zu wollen. Oder mit einer möglichen Kooperation mit der Königlichen Oper Stockholm. Oder damit,  von 2020 an am Theater Ulm Wagners „Ring des Nibelungen“ auf die Bühne zu bringen – in Detmold hat er das schon geschafft. Und nicht zuletzt mit der Ankündigung, Dietrich Hilsdorf – einst Oberspielleiter in Ulm – wieder für eine Inszenierung zurückzuholen.

Der 60-jährige Fontheim hatte mit seiner Erfahrung, seiner hervorragenden Vernetzung in der deutschsprachigen Theaterszene und mit seiner „großen Affinität zu Baden-Württemberg“ zu punkten versucht.

May, Jahrgang 1963, zitierte Goethe und Brook und malte ein Bild des Theaters als überraschenden, pulsierenden Treffpunkt einer jünger werdenden Stadt. Sie hatte sogar eine Erfolgsformel dabei: „Erfolg ist Können plus Wollen.“ Doch letztlich wollte die Ratsmehrheit sie nicht.

Fontheim und May zählten Regisseure, Choreografen und anderen Theatermacher auf, mit denen sie in Ulm in den einzelnen Sparten gern zusammengearbeitet hätten – an dem Punkt war Metzger weniger konkret.

Aber seine Hausaufgaben hatte er offensichtlich gemacht. Ideen zu Ulms großen Namen? Ein Auftragswerk zu Berblinger, eine Bühnencollage „Aufstieg und Fall des Uli H.“ und eine Inszenierung von Glass’  „Einstein on the Beach“ schweben ihm vor. Man dürfe ein Theater nicht überfordern, sagte der Musiktheater-Experte, aber hin und wieder an sein Leistungsgrenze führen.  Er stehe nicht nur für eine solide Theaterführung, sondern auch für Experimente: „Keine Provokation der Provokation willen, sondern aus inhaltlichen Gründen.“

Für die Stelle des Ulmer Theater-Intendanten hatten sich seit der Ausschreibung 61 Männer und 13 Frauen beworben, ein Fach-Gremium hatte im September zunächst zehn Kandidaten nach Ulm eingeladen, im Kulturausschuss hatte sich dann vor zwei Wochen in nichtöffentlicher Sitzung das Trio vorgestellt, das sich auch am Mittwoch präsentierte. „Alle waren dermaßen überzeugend und kompetent, dass wir alle drei für die Vorstellung im Gemeinderat empfehlen konnten“, sagte Kulturbürgermeisterin Iris Mann, die von der „Qual der Wahl“ sprach.

Am Ende wurde es Kay Metzger. Je mehr er sich mit Ulm beschäftigt habe, umso größer sei seine Lust geworden, „hier zu arbeiten und zu leben“, sagte er. Als gestandener Intendant habe er zwar die ein oder andere Bewerbung hinter sich, aber in den vergangenen sechs Wochen habe es wegen Ulm „doch heftig zu kribbeln begonnen“.

Nach der Verkündung des Ergebnisses zeigte er sich daher „schon ein bisschen überwältigt“. Worauf OB Czisch nur meinte: „Das erwarten wir auch!“

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