Ulm-Böfingen Kaum Besserung in Sicht am Fernbushalt

Die Zeiten sind vorbei: An der Böfinger Fernbushaltestelle gibt es jetzt einen richtigen Toiletten-Container.
Die Zeiten sind vorbei: An der Böfinger Fernbushaltestelle gibt es jetzt einen richtigen Toiletten-Container. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Chirin Kolb 05.10.2018
Die Stadträte sind sehr unzufrieden mit den Zuständen an der Fernbus-Haltestelle. Einziger Lichtblick: ein WC-Container.

Kein Komfort für die Reisenden, mangelhafte hygienische Zustände und in absehbarer Zeit kaum Besserung in Sicht: Was die Stadtverwaltung Ulm den Stadträten über den Fernbushalt in Böfingen zu berichten hatte, hob nicht gerade deren Stimmung. Die ist bei diesem Thema ohnehin schon im Keller. Eine gute Nachricht konnte Hauptabteilungsleiter Michael Jung dennoch überbringen. Seit Dienstag steht ein Toiletten-Container. Die schlechte Nachricht: Er ist noch nicht angeschlossen.

Jung hofft, dass das bald geschieht. Dann hätte die Zeit der Dixi-Klos ein Ende. Der WC-
Container sei „nicht luxuriös, aber deutlich besser“. Die Stadtverwaltung sieht sich nur als Überbringer der schlechten Nachrichten, nicht als Verursacher. Die Deutsche Touring, die an der Fernbus-Haltestelle ihre Tickets verkauft, habe sich vertraglich verpflichtet, einen Toiletten-Container aufzustellen – bereits bis Herbst vergangenen Jahres. Passiert sei nichts. Die Deutsche Touring ist mittlerweile insolvent und, wie es die Verwaltung formuliert, „strukturell angeschlagen“.

Stadt muss finanziell in Vorleistung gehen

Um den Fahrgästen wenigstens ein Minimum an Infrastruktur zu bieten, ging die Stadt Ulm schon mehrfach finanziell in Vorleistung. Auch jetzt wieder. Die Stadt hat zwei Wartehäuschen als Fahrgastunterstände samt Sitzbänken und Abfalleimern bestellt, montiert einen Fahrradständer, bringt neue Schilder an, reinigt die angrenzenden Privatgrundstücke, auf denen Fahrgäste ihren Müll entsorgt und ihre Notdurft verrichtet haben. Alles in allem gibt die Stadt dafür 100.000 Euro aus, zusätzlich zu den 245.000 Euro, die bereits geflossen sind.

Empörend finden das die Stadträte. „Wir haben fast 350.000 Euro ausgegeben, weil wir gute Menschen sind“, sagte Gerhard Bühler (FWG) im Bauausschuss. „Wir sind dazu nicht verpflichtet.“ Die Stadt könne sich Zustände wie an der Fernbus-Haltestelle nicht leisten, weder im Sinne der Fahrgäste noch im Sinne der Nachbarn, die sich massiv beschwerten. Die Stadt könne aber nicht endlos für die Versäumnisse von anderen zahlen. „Ich will, dass das Geld wieder reinkommt“.

Dem kann sich Lena Schwelling (Grüne) „nahtlos anschließen“, SPD und CDU ebenfalls. Es müsse möglichst schnell eine Entscheidung über den endgültigen Standort der Fernbus-Haltestelle getroffen werden. Doch selbst bis zu diesem Zeitpunkt müsse sich in Böfingen etwas ändern.

Die Stadtverwaltung will langfristig einen Betreiber für den Fernbusbahnhof finden, der sich um Sauberkeit, Sicherheit und Komfort kümmert. Die nächsten drei bis fünf Jahre werde der Fernbushalt aber auf jeden Fall in Böfingen bleiben, und für diese Zeit sucht die Stadt nun ebenfalls einen Betreiber. Er könne gegebenenfalls einen Kiosk einrichten, um Einnahmen zu erzielen.

Nicht kostendeckend

Einige Stadträte denken dabei auch an kostenpflichtige Toiletten und Gebühren für die Busunternehmen, die die Haltestelle anfahren. Baubürgermeister Tim von Winning dämpfte die Erwartungen. „Wenn das WC etwas kostet, gehen viele in die Büsche.“

Die Busse seien zudem nicht verpflichtet, die Fernbus-Haltestelle anzufahren. „Wenn wir Gebühren verlangen, beantragen sie einen anderen Halt.“ Es gebe deutschlandweit keinen Fernbusbahnhof, der kostendeckend betrieben werden könne. „Es geht also auch darum: Wie viel sind wir bereit zu zahlen?“

Das könnte dich auch interessieren:

Parkplätze sollen kostenpflichtig werden

Die vorhandenen Parkplätze am Fernbushalt in Böfingen sollen lediglich zum Abholen und Bringen der Fahrgäste dienen. Um das durchzusetzen, sollen sie kostenpflichtig werden, sobald ein langfristiger Betreiber der Haltestelle gefunden ist. Kurzzeitparker sollen ihr Auto kostenlos auf neuen Parkplätzen entlang der Eberhard-Finckh-Straße abstellen können.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel