Kastanie fällt Neu-Ulmer Brückenhaus zum Opfer: Dem Modernen im Weg

EDWIN RUSCHITZKA 26.02.2013

Eigentlich war es ja zu erwarten: Die weit über 100 Jahre alte Kastanie an der Herdbrücke stand dem geplanten Brückenhaus-Neubau der Sparkasse im Weg. Und vergessen waren alle Beteuerungen der Sparkassen-Oberen, man werde sich um jeden einzelnen Baum bemühen. Die Kastanie wurde am Samstag gefällt. Wie immer bei solchen Aktionen ist die Betroffenheit danach in der Bevölkerung groß. In diesem speziellen Fall ist sie sogar sehr groß, denn der Baum hat das Eingangstor zur Stadt Neu-Ulm ganz entscheidend geprägt.

Gut ist, dass Michael Bilger, bei der Stadt Neu-Ulm für Grünflächen und somit auch für Bäume zuständig, frank und frei die wahren Gründe ausspricht und mit offenen Karten spielt: Nein, die Kastanie ist nicht urplötzlich über Nacht erkrankt. Gefahr war auch keine im Verzug. Der uralte Baum, so sagt Bilger, hätte die Bauarbeiten für die Tiefgarage auf der Donauinsel einfach nicht überlebt. Das ist erfrischend ehrlich.

Bis in ein paar Jahren wird sich die Donauinsel gerade an dieser Stelle ohnehin deutlich verändert haben. Das Brückenhaus wird gebaut, und nach den anfänglichen Querelen haben die meisten Kritiker ihren Frieden mit dem anfangs umstrittenen Neubau gemacht. Das geschwungene Wohn- und Geschäftsgebäude wird Neu-Ulm dann ein ganz anderes Gesicht geben, ein städtebaulich modernes Gesicht eben. Das ist sicher ein Gewinn, auch wenn die fehlende Kastanie für viele ein Verlust ist.