Ulm Kartons mit Hennen in Ulm gefunden

MAIKE WOYDT 26.02.2013
Hühner in Kartons - und das gleich dreifach: In der Nacht auf Dienstag haben Unbekannte in Ulm drei Hennen in Pappschachteln abgestellt, eine in der Innenstadt, eine nahe der Blaubeurer Straße und das dritte in Unterweiler. Die Polizei vermutet, dass Tierschützer die Hühner ausgesetzt haben.
Drei Hühner, die in Pappschachteln eingesperrt waren, sind Montagnacht und Dienstagfrüh in Ulm gefunden worden: eines in der Innenstadt, eines nahe der Blaubeurer Straße, das dritte im Ortsteil Unterweiler. Die Ulmer Polizei hält es für wahrscheinlich, dass Tierschützer die Hennen ausgesetzt haben.

Wie Polizeisprecher Rainer Durst berichtet, entdeckte ein Anwohner in der Innenstadt das erste Huhn am Montag gegen Mitternacht und brachte es zur Polizei. Beamte gaben die Henne am Dienstagmorgen in die Obhut des Ulmer Tierheims. Es wird dort wohl noch einige Tage bleiben, bis es wieder völlig bei Kräften ist, heißt es aus dem Tierheim. Für die Zeit danach sei bereits ein neues Zuhause gefunden worden.

Auch Mitarbeiter einer Autovermietung nahe der Blaubeurer Straße waren überrascht, als sie am Dienstagmorgen gegen 7.30 Uhr einen Karton mit einer Henne vor der Tür fanden. Für dieses Huhn ist ebenfalls schon ein neuer Stall ausgeguckt: Es wird bei Bekannten der Leiterin der Autovermietung auf einem Bauernhof untergebracht.

Am Dienstagnachmittag meldete sich eine weitere Finderin: Yvonne Frank aus Unterweiler hatte das Tier kurz nach 6 Uhr vor der Haustür entdeckt. Das Huhn steckte in einem mit Stroh ausgelegtem, braunen Karton, von dem eine Ecke zur Luftzufuhr abgeschnitten war. „Miese Tierquälerei“, schimpft Frank, die keine Ahnung hat, warum der Karton ausgerechnet bei ihr landete. Inzwischen habe das Huhn bei einem benachbarten Bauernhof Unterschlupf gefunden.

Nun versuchen Polizei und Tierheimleitung zu klären, wer die Kartons abgestellt hat. Durst vermutet, das es sich um eine Kampagne von Tierschutz-Aktivisten handelt. Ein allen Kartons beigelegtes Schreiben richtet sich an die Finder, beschreibt die Tiere als „Reisehuhn“ und spricht sich für Bioeier aus.

Auf dem Zettel, das bei dem Huhn lag, das in der Ulmer Innenstadt gefunden wurde, steht:

Hallo ich bin das lustige Reisehuhn Gudrun,

geboren wurde ich am 23.05.2008 in einer Großzucht nahe Leipzig. Da ich keine Lust auf Massentierhaltung habe, reise ich in meiner lustigen Reiseschachtel quer durch die Republik. Gib mir nur eine Woche Asyl und du hilfst mit deinem Handeln die Massentierhaltung in Deutschland zu stoppen.

Du bekommst das Allerbeste von mir. Eine Woche lang hast du die Möglichkeit, meine wohlschmeckenden Bioeier zu genießen. Du muss mich lediglich zweimal täglich füttern (und streicheln). Bitte sei nett zu mir.

Nach dieser Woche kannst du selbst entscheiden. Schickst du mich weiter auf die Reise, oder darf ich länger dein treuer Begleiter sein.

Dein lustiges Reisehuhn,
Gudrun


Anschließend sind noch fünf Fakten über die Massentierhaltung aufgelistet. Der fünfte Punkt heißt: Würde jeder deutsche Haushalt nur 2 Reisehühner aufnehmen, so wäre die Massenzucht vorbei!

Das Tierheim Ulm kommentiert das auf seiner Facebook-Seite mit den Worten: "Wir können es nicht glauben, was so manche Menschen unter Tierschutz verstehen."

Polizeisprecher Durst hält es für möglich, dass es noch mehr Fälle gibt, sieht die Angelegenheit jedoch gelassen: „Falls noch mehr Hühner irgendwo aufgetaucht sind, sind sie wahrscheinlich bereits im Suppentopf gelandet.“