Bildung Karten aus Ulm für die Eishockey-Welt

Ulm / Beate Rose 19.10.2018

Die schönsten Karten stellen Schüler der Gustav-Werner-Schule her, einem sonderpädagogischen Bildungszentrum für geistig Behinderte. Das dürfte vielen Ulmern bekannt sein. Nicht ganz so vielen Ulmern dürfte bekannt sein, dass die Schüler bereits das vierte Jahr in Folge die Weihnachtspostkarten für den Internationalen Eishockeyverband (IIHF) mit Sitz in Zürich produzieren. Damit der Verband pünktlich seine Weihnachtspost verschicken kann, immer ein Motiv des Austragungsortes der künftigen Eishockey-WM, weihnachtet es seit Monaten schwer in der Kunstmanufaktur der Schule in Böfingen. Gestern haben dort die Schüler der Berufsschulstufe 3 (BSS) gearbeitet, das sind sieben Schülerinnen und Schüler zwischen 17 und 20 Jahren alt.

Jessica (20) sitzt hochkonzentriert am Arbeitstisch und trägt mit Bügeleisen und Schablone heißes Wachs auf eine Karte. Encaustic heißt die Technik. Jessicas Aufgabe: Den Martinsdom aus Bratislava – den zeigt die Schablone –, sauber aufs Papier bringen. Die junge Frau arbeitet routiniert und ohne viele Worte. „Sie ist mir eine große Stütze“, betont Marianne Baur, die Zuständige für die Kunstmanufaktur. Schließlich ist Jessica bereits das dritte Jahr bei der Kartenproduktion dabei. Dom und Burg kommen deswegen auf die Karte, weil sie die Wahrzeichen von Bratislava (Slowakei) sind, dem Austragungsort der Eishockey-WM 2019. Dabei ist es Baur, die Monate vorher ihre Entwürfe für die Karte an den Eishockeyverband liefern muss. Viele Stunden kommen zusammen, bis der Verband dem endgültigen Entwurf zustimmt, schildert sie.

1000 Karten herstellen

In der Kunstmanufaktur hat Lehrerin Baur alle Schüler im Blick. 15 Arbeitsschritte sind notwendig, bis eine Karte fertig gestellt ist. 1000 Stück möchte der Verband haben, dafür gibt’s die „großzügige Spende von 5000 Schweizer Franken“, sagt Boris Matuschek, der Leiter der Gustav-Werner-Schule. Geld, das an den Förderverein geht. Zur Kartenproduktion für den Weltverband ist die Schule über die Geislinger Ärztin Beate Grupp gekommen, die in Ulm studiert hatte. Beim Verband IIHF war sie viele Jahre die Vertreterin Deutschlands.

„Genau arbeiten, konzentriert sein – was die Schüler hier lernen ist eine prima Vorbereitung aufs Berufsleben“, erklärt Schulleiter Matuschek den Nutzen der Kartenproduktion für die Schüler. „Jeder Schüler kann mitarbeiten, jeder findet seinen Platz“, sagt Andrea Baumeister. Sie ist als Schulbegleiterin in der BSS 3 zwar zuständig für Schüler Patrick, doch sie sitzt mit am Arbeitstisch und zaubert Gold auf die Karten. Da ist Maria (17), die unheimlich gerne redet und jeden Satz anfängt mit: „Nur, dass Sie’s wissen...“ Nur, dass Sie’s wissen: Dächer zeichnen, macht Maria am meisten Spaß, deutlich weniger, den Goldpuder als Umrandung der Karte aufzutragen. Zudem schwärmt sie von Klassenlehrer Wolfgang Boni. „Der macht Witze und hat Haare wie ein Hundewelpe.“

Da ist Patrick (20), der lieber davon erzählen will, wie sein Praktikum bei der Firma „Scanplus“ war, als darüber, wie er die Farbe für die Bäume aufs Papier bringt. Und  da ist Alexander, der immer zehn Karten abzählen muss und dafür eine Vorrichtung hat.

Die Karten finden in der internationalen Eishockeywelt Beifall. So traf ein Dankesschreiben über die „exquisite Arbeit“ ein, unterzeichnet von der jordanischen Prinzessin Haya al Hussein, wovon eine Kopie in der Kunstmanufaktur ausgestellt ist. Schulleiter Matuschek ist darauf stolz. Königliche Post bekommt man schließlich nicht alle Tage.

Förderstelle, Kiga, Schule

Schule Die Gustav-Werner-Schule, Böfinger Weg 28, begleitet geistig Behinderte im Alter bis zu 21 Jahren, erklärt Schulleiter Boris Matuschek. Dort gibt es neben einer Frühberatungsstelle, „die schon von Schwangeren aufgesucht werden kann“ (Matuschek), auch einen Kindergarten. An der Schule lernen von Klasse 1 bis 12 insgesamt 150 Schüler. Eine Klasse wird durchschnittlich von sechs Schülern besucht.

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