Wiblingen / Verena Schühly  Uhr

„Ökumene ist mehr, als dass sich zwei Pfarrer gut verstehen. Sie ist eine tiefe Verbundenheit im Tun und Handeln“, sagte Prälatin Gabriele Wulz gestern Abend bei einer ökumenischen Vesper in der Wiblinger Klosterkirche. Der Gottesdienst schloss die Mitgliederversammlung der Unita dei Cristiani ab, eines Vereins, der für die Einheit der Christenheit einsetzt.

Die Unita holt im Jahr des Reformationsgedenkens vor 500 Jahren morgen zwei hochrangige Kirchenvertreter zu einer Veranstaltung über die Perspektiven von Ökumene nach Ulm: Kurienkardinal Kurt Koch und Heinrich Bedford-Strohm, EDK-Ratsvorsitzender und bayerischer Landesbischof. „Wir erwarten uns davon Impulse und Inspirationen für unser Leben und unser Christsein“, formulierte Wulz ihre Erwartungen an das Zusammentreffen. Im gegenseitigen Zuhören „wächst die Wahrheit“.

Koch ist Prokurator der Unita und ist deshalb seit gestern in Ulm. Er hielt in der Vesper die Ansprache über die Lesung aus Paulus Epheserbrief, in dem es um Christus als Haupt des einen Leibes mit vielen Gliedern geht. Das Bild nahm er als Symbol für die Ökumene und „leidenschaftlichen Appell“ für die Einheit  der Kirche. Er ging auf die Befürchtungen mancher ein, dass mit Einheit Uniformität gemeint ist. Aber der Kardinal betonte: „Wir wollen Einheit in Vielfalt.“

Beispiel des dreieinigen Gottes

Denn der Geist Gottes schenke Einheit wie Verschiedenheit. Beide seien gleich wichtig. Als Beispiel, wie das gehen kann, nannte Koch den dreieinigen Gott der Christenheit: Er sei Vater, Sohn und Geist gleichermaßen. Er ermunterte zur Ökumene als „Austausch von Gaben“, als Lernen voneinander: „Jeder kann seinen Beitrag zur Einheit leisten.“

Und er sagte, dass dies auch im Sinne Martin Luthers sei: „Luther wollte ja die Kirche nicht spalten, sondern sie erneuern.“ Daher sei es gut, das Reformationsgedenken „als Christusfest zu feiern und als Bekenntnis zur Einheit“.

Umrahmt wurde die Vesper vom Jugendchor der Ulmer Spatzen mit glasklaren Chorsätzen.

Heute Podiumsgespräch und Vorträge in Münster

Das Programm Um 16.30 Uhr gibt es heute ein Podiumsgespräch in der Sparkasse Neue Mitte über die Perspektiven der Ökumene und was sie leisten kann. Es wird moderiert von SWP-Chefredakteur Ulrich Becker. Um 19 Uhr beginnt die Veranstaltung im Münster: Heinrich Bedford-Strohm spricht über „Globalisierte Menschlichkeit“ und Kurt Koch über „Ökumenische Perspektiven“.