Der Mordprozess gegen ein 26-jähriges Mitglied der rockerähnlichen Gruppierung Black Jackets wird zwar in Ellwangen verhandelt. Die zugrunde liegenden tödlichen Schüsse auf den Vizepräsidenten der United Tribunes wurden in Heidenheim abgegeben. Und dennoch spielt in dem Prozess Ulm eine wichtige Rolle, weil sich ein größerer Teil der Vorgeschichte unter dem Münsterturm abgespielt hatte.

Hintergrund sind Revierkämpfe, Machtgehabe und persönliche Animositäten. Immer wieder stellt sich die Frage, was Black Jackets und United Tribuns dazu veranlasst hat, ihren Streit so weit eskalieren zu lassen, dass es am 7. April dieses Jahres zu der tödlichen Schießerei vor dem Friseurgeschäft in der Heidenheimer Innenstadt kam.

Wie berichtet, soll der 26-jährige Vizepräsident der Jackets und jetzige Angeklagte den 29-jährige Vizepräsidenten der United Tribuns erschossen haben – beide Chapter, wie die Verbände der Rocker heißen, reichen bis nach Ulm, wo es in den letzten Jahren Schlägereien wie vor dem Bordell Morgenland, eine Schießerei vor dem Lolita-Club an der Blaubeurer Straße und ein Anschlag auf die inzwischen geschlossenen Shisha-Bar in der Ulmer Innenstadt gegeben hat.

Hintergrund ist nicht zuletzt, dass das Opfer der Tribuns früher selbst Mitglied der Jackets und eigentlich ganz gut befreundet mit seinem späteren Mörder war. Wie sich zeigte, hatte er sich von der einstigen Rockerfamilie losgesagt, um eine eigene zu gründen und Chef zu sein. Dann kam es zu einer erneuten Schlägerei der beiden Ex-Freunde, dann brannte das Auto des einen.

Der Mordprozess in Ellwangen wirft ein Schlaglicht auf diese Entwicklung. „Wir wollten die Sache unter Männern klären“, sagt das zweite Opfer, das die Schießerei schwer verletzt überlebt hat. Unter Männern klären heißt in der Rockersprache aber nichts anderes, als den Fäusten mehr zu Vertrauen als den eigenen Argumenten. In der Rockerwelt gilt das Recht des Stärkeren.

Gewalt gegen Mitglieder verfeindeter Gruppen ist an der Tagesordnung. Der Präsident des Riverside-Chapters der Black Jackets sitzt seit zwei Jahren im Gefängnis. Er war für die Sicherheit des Chapter-eigenen Bordells Lolita-Club in Ulm zuständig und schoss um sich, als er sich von der inzwischen verbotenen Rockergruppe Red Legions aus dem Raum Stuttgart bedroht sah. Das Gericht wertete dies als versuchten Mord und verhängte eine sechsjährige Gefängnisstrafe.

Der Prozess wird am Donnerstag mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgeführt. Weil in der Szene aber ein Schweigekodex besteht, hat das Gericht viel Arbeit vor sich. Mit einem schnellen Urteil wird nicht gerechnet.