Draußen wird es kälter und dunkler, das Weihnachtsgeschäft läuft an. Eigentlich die beste Zeit für Einkaufszentren, in denen die Kunden ohne dicke Jacke und dafür trockenen Fußes von Geschäft zu Geschäft schlendern können.

In den Centern in Ulm und Neu-Ulm laufen die Kunden aber auch an zahlreichen leeren Ladenlokalen vorbei. Insgesamt stehen momentan im Blautalcenter acht Verkaufsflächen leer. Auch auf der anderen Seite der Donau in der Glacis-Galerie gibt es noch freie Flächen. „Wir haben derzeit elf Leerstände“, berichtet Tim Mayer, Centermanager der Galerie. Sieben davon sind seit der Eröffnung im vergangenen Jahr noch nicht bezogen worden. „Es ist die Zeit vorbei, in der die Geschäfte an sich die Kunden in ein Einkaufszentrum locken.“ Davon ist Mayer überzeugt. Um Kunden zu gewinnen brauche es mehr Emotionalität.

Im Center in der Neu-Ulmer Innenstadt soll das mit einer einladender gestalteten Ladenstraße und mehr Servicequalität gelingen. Neben Blumenkübeln und Sitzbänken soll aber auch an grundsätzlichen Dingen wie den für Rollstuhlfahrer oder Familien mit Kinderwägen schwer zu bedienenden Eingangstüren nachgebessert werden. „Wir drehen an den kleinen Stellschrauben.“

Zudem tue sich auch bei den Ladenflächen etwas. „Kommende Woche eröffnet mit der Villa Kuchenbunt ein Geschäft für Back- Accessoires“, berichtet Mayer. „Und wir setzen nicht mehr nur auf Retail.“ Derzeit laufen Gespräche mit einem Anbieter aus dem Freizeitbereich. „Es geht um sportliche Betätigung“, sagt Mayer. Es werde aber kein Fitnessstudio, wie es im Blautalcenter seit einiger Zeit zu  finden ist.

Auch der Betreiber des Blautalcenters, Wealthcap, hat in den vergangenen Jahren in die Modernisierung des 19 Jahre alten Centers investiert. Der durchschlagende Erfolg bleibt bisher jedoch aus. Erst vor Kurzem vermeldete der Lebensmittler V-Markt, dass er im kommenden Jahr das Center verlässt. Damit verliert das Center nach Euronics seinen zweiten Ankermieter und den Bespieler der größten Ladenfläche.

Ein gewisser Leerstand ist Josef Röll von der IHK zufolge nicht zu vermeiden. Das sei aber auch nicht schlimm. „Die Summe beim Branchenmix muss stimmen“, sagt der Einzelhandelsexperte. Der Mix sei wichtiger als einzelne Ankermieter. Röll ist überzeugt, dass das Blautalcenter wieder voll werden kann. „Ich halte die Flächen für vermietbar.“ Aber es sei auch eine Frage des Preises. Inzwischen seien die Filialisten nicht mehr bereit, jeden Preis für einen Laden zu zahlen. „Sie schauen auch, was für ein Umsatz am Standort zu erwarten ist.“

Generell sei das Blautalcenter aber ein Konstruktionsfehler. Eigentlich sei es als Fachmarktzentrum geplant worden, wie es eines neben Ikea weiter stadteinwärts in der Blaubeurer Straße gibt, erklärt Röll. „Es wird aber als Einkaufszentrum betrieben.“

Nicht nur die Verkaufsfläche sei mit 37.000 Quadratmetern für ein Einkaufszentrum sehr groß, die Glacis-Galerie hat zum Vergleich eine Fläche von knapp 28.000 Quadratmetern. Auch die Fläche einzelner Ladegeschäfte sei großzügig bemessen. Das zeige sich auch jetzt beim angekündigten Auszug von V-Markt.

Die Ladenfläche beträgt knapp 7000 Quadratmeter und ist damit für gängige Filialisten in Einkaufszentren um einiges zu groß. Vor allem unter der Vorgabe, dass laut Planungsrecht nur Lebensmittler oder eine Drogerie die Fläche bespielen dürfen, wie Röll erläutert. „Mehr Mode dürfen sie nicht reinnehmen.“

Die Situation im Blautalcenter könne aber nicht auf die Innenstadt übertragen werden. Für die Sedelhöfe, die voraussichtlich 2019 eröffnet werden, gelten dem Handelsexperten zufolge andere Voraussetzungen. Schätzungen zufolge sollen täglich bis zu 36.000 Besucher vom Bahnhof kommend großteils durch die Sedelhöfe in die Innenstadt gelangen. „Das ist ein geldwerter Vorteil.“ Bis dahin sei die Situation für den Handel in der Innenstadt vor allem durch die Baustellen jedoch  verschärft.

Diese Situation spielt derzeit der Glacis-Galerie in die Karten. „Wir sind gut zu erreichen und wollen das auch kommunzieren“, sagt Centermanager Mayer.